Thema:
Re:wenn 3.600 netto nicht reichen flat
Autor: token
Datum:17.09.22 09:47
Antwort auf:Re:wenn 3.600 netto nicht reichen von thestraightedge

>>>>Bleiben dann von den 3.600 immer noch 2.400 über. Abzüglich (großzügigem) Heizen immer noch 2.000 Euro. Wenn man mit 2.000 Euro Restgeld monatlich nicht leben kann, was ist da bitte bei der Lebensplanung falsch gelaufen?
>>>
>>>Haushalt!!! Addiere 3 Kids zur Rechnung und 2000€ nach Warmmiete sind eben möglich, aber ggf nicht mehr komfortabel. H
>>
>>Dann kämen aber auch wieder 600 Euro Kindergeld oben drauf.
>>
>>Edit: Wobei das im netto Haushaltseinkommen wahrscheinlich schon inkludiert ist. Der Bericht ist da dann natürlich etwas ungenau. 3.600 Euro für einen Singlehaushalt sind dann doch eine ganze andere Nummer wie für eine 4-5 köpfige Familie.
>
>Bei Haushaltseinkommen ist immer die Summe verschiedener Einkommen. Und ja, dann haste bei 2 Kindern 2x 1.500 € netto, und damit bleibe ich bei allem was ich gesagt habe.


Und da könnte man ebenso sagen dass steuerfreie Beträge nicht in eine Nettonennung gehören. Aber auch sagen dass sie es doch tun weil Netto ein Sammelbegriff ist für das was faktisch über bleibt.

Das ist auch schon das Problem. Die Projektionsflächen in alle Richtungen und wie jeder Mensch mit seiner Lebenswirklichkeit und seinem Lebensentwurf empathisiert und dann diesen in diese Flächen projiziert. Und kommen dann zwei unterschiedliche Lebensentwürfe zusammen fangen beide Seiten gegenseitig mit dem Kopf übereinander zu schütteln an.
Was halt an der Bumsigkeit des Artikels liegt.

Ich persönlich sehe es so, dass das Einkommen den Lebensentwurf determiniert. Dreisechs bringt auch für Familien Spielmassen was geht und was nicht geht, aber vor allem was in Kombination geht. Bspw. schaufelt der Verzicht auf ein Auto mglw. Spielmasse für Mieten frei. Usw.

Das mindeste was ich für eine seriöse Haushaltsplanung halten würde ist, zu schauen dass man genügend Liquidität in Dingen hat die man kurzfristig pausieren oder auf die man verzichten kann, um bei einer temporären Arbeitslosigkeit nicht an Rücklagen gehen zu müssen, sofern es solche überhaupt gibt.

Es anders handzuhaben halte ich für unseriös, also alles auf Kante zu nähen. Näht man nicht auf Kante ist man auch jetzt noch nicht im Bereich wo es an Rücklagen gehen muss. Aber auch wenn man auf Kante näht ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Spielmasse da um mit sparen/reduzieren/umorganisieren der notwendige Puffer gehoben werden kann.

Leider erhitzt der Angang sich mal in paar Dingen zu reduzieren die Gemüter.
Ich selbst hatte bspw. auch den Eindruck dass ich doch schon relativ finanzbewusst agiere. Als ich von 40 auf 28 Stunden reduziert hab, hatte ich großen Respekt vor dem finanziellen Einschnitt, ich wusste zwar, bei meinem Nullsummenspiel müssen Räume da sein, und die sind wohl groß, aber das "weniger" ist schon brontal. Dann ran an den Speck, und heute muss ich lachen, denn nach der Reorga war nichts vom finanziellen Einschnitt spürbar. Spontankäufe im vierstelligen Bereich. Geht. Urlaub wo man sich ein Haus mietet. Geht. Ausgehen und nach alter Schule die Kosten für den Partner übernehmen, geht. Alle Hobbies, geht.

Whatever, die Schwammigkeit des Artikels forciert Projektionsflächen für komplett unterschiedliche Lebenswirklichkeit. Wenn eine Familie die am Limit lebt und an diesem leben "muss" weil da auch keine Spielmasse ist, egal wie kreativ man wird, und da geht die Waschmaschine kaputt, kriegt einen Besorgnisschub. Eine Familie die merkt dass das Einkommen auf der aktuellen Finanzkreislaufstruktur nicht mehr nachhaltig ist und anfängt Dinge anzuschauen und an so Themen wie der Talentförderung der Kinder vorbei kommt und anfängt sich da Fragen zu stellen, kriegt einen Besorgnisschub.

Das individuelle Erlebnis der Sorge ist sich aufgrund unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten sehr ähnlich. Aber natürlich wird die Waschmaschinenfamilie für die Sorge der Talentfördererfamilie keine Empathieleistung mitbringen, wohingegen die Talentfördererfamilie die Lebenswirklichkeit der Waschmaschinenfamilie nicht mal richtig begreifen kann, und zwar in alle Richtungen weil sie Luxussorgen als deutlich intensiver wahrnimmt als sie sind wenn man nicht mal drüber nachdenken kann sowas zu haben, und bei Echtsorgen oftmals die Spielmasse solchen zu begegnen hoffnungslos überschätzt.

Durch so einen Artikel prallen im Diskurs Erlebniswelten aufeinander die nichts miteinander zu tun haben und die Leute reden aneinander vorbei ohne es zu merken. Aber am Ende des Tages bringt so ein Haushaltseinkommen halt genügend Puffer mit um sich einen schönen Lebensentwurf einzurichten der bei seriöser Finanzplanung nicht sofort auseinanderfliegt wenn das was gerade passiert, passiert. Gerade Energiekosten haben was mit Verbrauch zu tun, da KANN man ran, auch wenn das NATÜRLICH ungeil ist, da hat man Handlungsfähigkeiten und neben diesen halt auch noch andere Punkte. Es sei denn man hat sich bei Corekosten komplett verzettelt und lebt über seinem Niveau.


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