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| Autor: | Demonted | ||
| Datum: | 25.05.20 16:11 | ||
| Antwort auf: | Re:Finde ich gut von token | ||
Ja, wir kommen da leider nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner, allerdings kann ich deine Gedanken auch nachvollziehen. Deshalb nur noch einmal kurz ein paar Sachen, zu denen mir was eingefallen ist. Möglicherweise ist mein Schneisenbeispiel nicht gut gewählt, aber Bäume nass halten impliziert etwas ohne Nebenwirkung, etwas zerstörungsfreies, und dass sind unsere Maßnahmen definitv nicht. >Das ist halt Trump-Rhetorik, das Argument "Cure cannot be worse than the disease" was er irgendwo auf Twitter aufgeschnappt hat kann aufgrunddessen dass Corona global grassiert und man entsprechend viele Umgangsformen damit beobachten kann mit einem nüchternen Blick ganz gut verproben. So dass man ziemlich gut erkennen kann, dass ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems einen funktionierenden Alltag genau so kollabieren lässt wie die Schneise und letztlich noch drastischere Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Und noch mehr Geld kostet, weil das Aufkehren dieser Scherben signifikant mehr Zeit unter der Last der dahinter stehenden Mühen kostet. >Im Grunde war auch der Umgang von Deutschland mit der Krise fahrlässig und die Gegenmaßnahmen waren arg verschleppt, diese Verschleppung abseits weniger aisatischer Nationen hat die Lage ja erst global (innerhalb erschreckend kurzer Zeit) eskalieren lassen. Und diese Eskalation ist halt der "Brand", und da wo es brennt sieht man sehr gut, das irgendwie aussitzen zu wollen ist komplett unfunktionaler Blödsinn bei dem am Ende des Tages so ziemlich gar nix besser läuft. >Bei den "Hätte Hätte"-Gedankenspielen ob auch mildere Lockdown-Varianten gegangen wären und so Impact auf den Alltag und die Wirtschaft milder gewesen wäre übersieht man, dass man bei "Hätte Hätte" eigentlich keine Prämisse setzen muss, und die Lektion die man gelernt hat nicht ist, dass man in so einer Krise vielleicht mehr Spielräume bei der Regulierung hat, sondern dass man SCHON DEUTLICH FRÜHER DEUTLICH DRASTISCHER reagieren muss. >Letztendes haben doch in erster Linie die Sorgen vor den wirtschaftlichen Kosten dazu geführt dass man Reaktionen im Großen, bspw. Sperrung des internationalen Reiseverkehrs, wie auch im Kleinen (Ischgl), verschleppt hat. Aus Sorge vor diesen Kosten hat man entsprechend exorbitant höhere Kosten verursacht. Und das ist ein roter Faden bei Krisenmanagement im Kapitalismus, eine nicht verantwortbare Risikobereitschaft aus Sorge um Kosten der Prophylaxe, Dinge die notwendig sind, werden in ihrer Notwendigkeit zerredet, und wenn die Bombe platzt erzeugt man Kosten gegen welche die Kosten der Notwendigkeiten in Relation dazu ein Fliegenfurz gewesen wären. Hier habe ich in der Tat den Fokus verloren, da es ja eigentlich darum geht, ob der zukünftige Weg Thüringens funktionieren kann. Die Ausgangssperre ist so zeitnah in der Tat kaum zu diskutieren, möglicherweise findet man in ein paar Jahren Erkenntnis über ein "Hätte man doch dies oder jenes getan". Und genau da gehört auch das "deutlich früher und drastischer" hin. Das mit dem Sommer ist doch ok und der Erfolg hat nicht nur was mit den Maßnahmen zu tun bzw. wird dies durch den Sommer positiv beeinflusst. wenn ich mich nicht täusche, hat sogar Drosten gesagt, dass man mehr Aktivitäten ins Freie verlegen soll, und da hilft das sommerliche Wetter ungemein. Ob nun Temperatur oder Luftfeuchtigkeit ebenfalls Einfluss hat, kann und möchte ich nicht beurteilen. Dazu kommt aber auch noch, dass man häufig Befürchtungen vor einer 2. Welle im Herbst liest. Entweder hat es dann doch irgendwas mit den Jahreszeiten zu tun (und auch wenn es nur der bevorzugte Aufenthaltsort der Menschen ist) oder die Wissenschaftler wissen jetzt schon, welche Maßnahmen im Herbst gelten. Und bezüglich Schild: Ja, ich empfinde es auch so, dass der Deutsche (mir eingeschlossen) so tickt. Dann wiederum sehe ich, dass ich durchaus auf der Autobahn überholt werde, wenn 100 vorgegeben ist und ich auch exakt die 100 fahre. In Stein gemeißelt ist dies also wohl doch nicht :-) Und bezüglich der Maskenpflicht ist es nun eben so, dass dort die Freiwilligkeit meiner Meinung nach auch dadurch verspielt wurde, in dem die Politik wochenlang das Schild " Masken sind unnütz. Masken sind gar gefährlich. Wenn ihr privat Masken tragt, nehmt ihr diese dem Pflegepersonal weg" hochgehalten hat. Und um letztlich wieder auf Thüringen zurück zu kommen - es ist ja keine Diskussion, ob niemals wieder irgendwelche Maßnahmen eingesetzt werden, sondern ob man diese lokal begrenzt einsetzen kann um somit das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Und da kann ich mir in der Tat vorstellen, dass dies mit Tracing, lokal begrenzten Beschränkungen und nun durch z.B. wieder verfügbare Selbstschutzmasken gelingen kann. Dafür müssen aber ALLE Maßnahmen schnell und koordiniert funktionieren, wenn die Infektionsgrenzen überschritten werden sollten. Ob dies in Thüringen bereits der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Falls dies nicht der Fall sein sollte und das ganze eine rein politische Entscheidung ist, fände ich diesen Weg ebenfalls als zu gefährlich. Das ganze aber am Gesundheitssystem zu verankern ist nicht unvernünftig, da dies im Moment das einzige konkret feststellbare ist. Andererseits habe ich im Moment immer mehr den Eindruck, dass in der Politik kein konkretes Ziel mehr verfolgt wird, sondern man in einen Regelungstrott verfallen ist, egal ob es um Maßnahmen festlegen oder Lockerungen geht. Aber gut, ich vermische wieder Themen. Möglichst viele Menschen, bis zu einem unbekannt guten Impfstoff oder Medikament zu einem unbekannten Termin vor einer Infektion zu bewahren, scheitert schon daran, dass alle Faktoren unbekannt sind. Dass das Ziel, "nur" das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, nicht jedem schmeckt, ist für mich aber ebenso verständlich. |
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