Thema:
Imperial Struggle flat
Autor: Sloane
Datum:23.07.20 10:37
Antwort auf:Brettspiele & co Teil 2 |OT|: Homo ludens von Cherokee

[https://boardgamegeek.com/boardgame/206480/imperial-struggle]

"Nachfolger" von Twilight Struggle, meinem wahrscheinlich meistgespielten Board Game. Statt Kaltem Krieg gibt's hier England gegen Frankreich im 18. Jahrhundert, ist also wieder ausschließlich auf zwei Spieler ausgelegt.

Man kämpft um vier verschiedene Regionen (Europa, Nordamerika, die Karibik und Indien), mehr oder weniger abwechselnd in Peace und War Turns. In Peace Turns beeinflusst / übernimmt man Handelsplätze, baut Flotten und Forts, schmiedet Allianzen und bereitet sich auf den nächsten Krieg vor, der dann weitgehend automatisch durch Militär, Allianzen und das Aufdecken von Bonus-Plättchen abgehandelt wird. Der Sieger bekommt - abhängig von der Überlegenheit - feindliche Gebiete.

Ähnlich wie bei Twilight Struggle gibt es Action Points, Victory Points und Events. Letztere sind für den agierenden Spieler aber ausschließlich positiv, außerdem finden die Wertungen zu festgelegten Zeitpunkten (am Ende jeder Runde) statt, sind also nicht zufällig.

Was mich überrascht hat: Das Spiel ist erstaunlich komplex. Im Handbuch schreiben die Entwickler, sie wollten sich von Twilight Struggle nur inspirieren lassen und es simplifizieren - dem würde ich nach den ersten Partien allerdings überhaupt nicht zustimmen.

Statt einer Art von Action Points gibt es drei (Handel, Diplomatie, Militär), dazu Major und Minor Actions, die unterschiedlich genutzt werden dürfen, Investment Tiles und Advantage Tiles, Protected Markets und Isolated Markets, Event Cards und Ministry Cards, Conflict Marker, Keywords und ca. drölftausend andere Sonderregeln, die im Handbuch eher mäßig aufgeschlüsselt werden.

Vor allem aber ist die Karte anfangs arg unübersichtlich. Bei Twilight Struggle kann man selbst als Anfänger oder wahrscheinlich sogar Nichtspieler mit einem Blick auf die Map ganz gut erfassen, wie es gerade läuft; bei Imperial Struggle verbringe ich bisher die Hälfte meiner Actionrunden damit, überhaupt zu verstehen, wo es wie steht und was möglich bzw. erreichbar ist.

Klingt wahrscheinlich ein bisschen ernüchternd, aber wenn man mal einigermaßen durchgestiegen ist, funktioniert das Spiel an sich schon sehr gut, weil es so viele verschiedene Schauplätze und Mini-Wettbewerbe gibt, auf die man ein Auge haben muss.

Bei Twilight Struggle kann bzw. muss man sich - je nach Phase und schon gewerteten Regionen - auf die eine oder die andere Ecke konzentrieren, hier hingegen darf man eigentlich nichts vernachlässigen, kann andererseits aber durchaus unterschiedliche Strategien verfolgen und Schwächen des Gegners geschickt ausnutzen.

Vor allem ist es deutlich einfacher, mit ein, zwei geschickten Zügen (zum Beispiel einem gewonnenen Krieg und dem daraus resultierenden Erobern feindlicher Gebiete) den anderen Spieler aus dem Konzept zu bringen.

Und: Es gibt keine Würfel, kaum Zufall.

Material ist durchweg gut, Brett und Karten schön designt, Preis mit knapp 50 Euro sehr fair, finde ich.

Wer's spielen will, sollte sich auf jeden Fall die Player Aid von BGG holen ([https://boardgamegeek.com/filepage/204245/imperial-struggle-player-aid]), die Corrections and Clarifications ([https://boardgamegeek.com/filepage/203513/imperial-struggle-corrections-and-clarifications]) sind auch ganz hilfreich.


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