Thema:
Re:Teil 13 - Kurzes Update am Abend flat
Autor: thestraightedge
Datum:30.03.20 09:08
Antwort auf:Re:Teil 13 - Kurzes Update am Abend von Shodan

>Ich verstehe dein Argument. Ja es ist derzeit DIE Krise. Aber man kann doch mit Augenmaß reagieren. Ich kenne die Klinik dort. Und die sind jetzt auch nicht so knapp an Ressourcen. Ich finde es einfach als Signal an die Belegschaft fatal. In meinem Haus geht es ja auch anders. Und uns ist hier allen bewusst das sich die Situation von heute auf morgen ändern kann. Aber man sollte die Gesundheit seiner Beschäftigten doch solange es geht noch schonen und Kräfte sammeln lassen.

Vermutlich hätte es Kompromisse gegeben: Max. 1 Woche am Stück, max 2x bis Oktober.

>Der Missbrauch von Krankenstand ist unter Klinikärzten und Pflegekräften an der Tagesordnung. Es ist doch nur eine Folge der enormen Arbeitsverdichtung, teils Menschenverachtender Personalführung und insgesamt den Verfehlungen der Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte.

Verstehe.

>Auch ich habe mich schon krank gemeldet, obwohl ich es nicht war. Nach 7 Diensten am Stück, einer schlimmer wie der andere. Mit mehreren Spät/Früh Wechseln. Das heißt du verlässt um 21 Uhr die Klinik, und stehst um 6 Uhr wieder auf der Matte. Wenn es gut läuft habe ich in solchen Nächten 2-3 Stunden Schlaf.

Dann war es aber eine AU mit Grund: Du warst körperlich und geistig gar nicht mehr in der Verfassung, den Dienst anzutreten.

>Und dann stehe ich nach so einer schlaflosen Nacht an einem Patientenbett. Lass es einen 18 Jährigen Motorradfahrer sein mit allerschwersten Verletzungen. Dann muss ich Medikamente richten bei denen 1 ml mehr oder weniger absolut entscheidend für die Wirkung ist. Steuere ein Nierenersatzverfahren und die Beatmung, darf vielleicht noch einen innenklinischen Transport vorbereiten in den OP oder zum CT. Ich muss die Flüssigkeitsbilanzierung im Auge behalten, regelmäßige Laborkontrollen durchführen. Schwierige Wunden und Verbände versorgen. Den Patienten lagern um ihn vor Druckgeschwüren zu schützen. Eine gründliche Mundpflege zur Pneumonieprophylaxe schaffe ich vielleicht auch noch. Ach, und die schwer geschockten Angehörigen wollen auch noch Auskunft und Trost während sie am Bett sitzen. Und muss völlig übermüdet aufpassen keine tödlichen Fehler zu begehen.

Wow, und ja, siehe oben. Da greift imo dann eine AU.

>Das mag zynisch klingen, oder vielleicht wieder nach dem typischen Übertreibungen einer Pflegekraft. Aber es ist tägliche Realität. Und sich da mal krank zu melden ist manchem der einzige Weg nicht auszubrennen. Ich liebe meinen Job nämlich, und möchte den gerne noch eine Weile machen.

Verstehe.


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