Thema:
Krokant: flat
Autor: Koepi
Datum:21.03.20 12:17
Antwort auf:Re:Mein Corona-Blog - Direkt aus der Klinik - Teil 7 von Telemesse

>>Guten Morgen. Ich habe heute bis 21 Uhr Dienst, und muss morgen um 6 Uhr wieder ran. Deswegen ein kurzes Update mit Gedanken von mir. Heute Abend schiebe ich vielleicht noch etwas Über die Situation in meiner Klinik hierher, ansonsten spätestens morgen.
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>>Achtung, es wird kontrovers.
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>>Ich habe gestern viel mit Pflegerischen und Ärztlichen Kollegen/Freunden geschrieben bzw. telefoniert. Und einige waren der Meinung wir müssten bereits jetzt schon triagieren.
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>>Als Beispiel. Warum soll ein 85 jähriger Patient, mit Vorerkrankungen, beispielsweise Koronarer Herzkrankheit, voll intensivmedizinisch behandelt werden? Die Alten werden als erstes die Intensivstationen fluten. Sie werden die guten Geräte besetzen, auf noch recht fitte Ärzte und Pfleger treffen. Nur um es dann doch nicht zu überleben. Das zeigt leider die Erfahrung und die Statistik zu Thema ARDS. Wenn dann jüngere Patienten eintreffen, fehlen eventuell bereits wichtige Ressourcen.
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>>Ich habe zu dem Thema keine klare Meinung. Allerdings, meine Oma ist 86 Jahre alt. Mein Bruder und ich haben sämtliche Vollmachten und Verfügungen. Wir sind uns untereinander einig das sie nicht beamtet werden soll. Allerdings zeigt die tägliche Arbeit auch das sich leider viel zu wenige ältere Mitmenschen über das Thema Gedanken machen.
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>>Die Aussagen dürfen gerne hier diskutiert werden. Mich interessieren eure Ansichten dazu.
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>In einem Interview mit einem Italienischem Arzt aus Bergamo meinte dieser das die Mortalität bei Patienten über 80 Jahre die intubiert werden mit wie von dir geschilderten Vorerkrankungen bei etwa 80% liegt.
>Ärzte und Pfleger müssen in solchen Zeiten pragmatische Entscheidungen treffen. Die werden sich einfach nicht immer mit den emotionalen Erwartungen von Angehörigen decken können, so traurig das auch ist. So lange die Kapazitäten ausreichen soll und muss natürlich alles dafür getan werden um auch die alten Risikopatienten bestmöglich zu versorgen, wenn die Stationen voll werden wird man das aber leider aufgeben müssen.
>Das ist eben der Preis den die Gesellschaft bezahlen muss. Wenn man aber ein junges Leben dadurch retten kann ein älteres Leben zu opfern war das ganze ja nicht umsonst und kann und sollte auch ein Trost für die Hinterbliebenen sein.



Krokante These an der Stelle (die nicht unbedingt meine Meinung widerspiegelt):

Warum sollen nach der gegenwärtigen Lage (siehe u.a. SpringBreak in den USA) die jungen, unvernünftigen "mir-kann-das-Virus-gar-nichts-Party-People"-Menschen gerettet werden und die vernünftigen, bedrohten und auch noch evtl. lange lebenden Älteren Menschen ab 69+Jahre nicht?

Und: wer entscheidet, was Jung ist? Wenn die Station voll mit 40jährigen ist, wird dann einer geopfert, weil dann ein 38jähriger kommt, der ähnlich schwer erkrankt ist?

Ich hatte diese philosophische Diskussion schon vor Wochen im Forum diskutiert. Ab besten ist es, man nimmt einen Würfel oder eine Münze.

Fair, unbestechlich, unvoreingenommen, konsequent.


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