Thema:
Es fing so gut an...(Spoiler) flat
Autor: Pezking
Datum:29.12.22 10:38
Antwort auf:Im Westen nichts Neues - 2022 Netflix von Telemesse

Die erste halbe Stunde des Films ist nahezu perfekt. Wunderbar untypisch für deutsche Filme wird nicht alles in Expositions-Dialogen ertränkt. Bilder stehen für sich, man traut dem Publikum das Mitdenken und das Ziehen eigener Schlüsse zu und ist komplett gefesselt, als Paul die Hundemarken im Schützengraben einsammelt.

Und dann fällt alles auseinander.

Ich muss dazu sagen, dass ich das Buch nicht gelesen und noch keine andere Verfilmung des Stoffes gesehen habe.

Die Beziehungen der Soldaten untereinander sind nicht wirklich mitreißend. Der Kontrast zwischen dem Kriegsalltag abseits der Front und dann wirklich mittendrin in der Hölle ist ja noch ok, aber warum zur Hölle hat man diesen Subplot über die Kapitulationsverhandlungen im Stile einer ZDF-Geschichtsdoku eingebaut? Das wirkt einfach deplatziert und lenkt von den eigentlich zentralen Themen und Motiven des Films nur unnötig ab.

Und dann kommt erst noch der richtige Schlock, mit dem dicken Klischee-General im feinen Chateau, der aus der Ferne unzählige junge Männer in den Tod schickt. Auf die Spitze getrieben wird der Schwachsinn dann mit dem Ende, als Paul plötzlich vor allem gegen ein Zeitlimit kämpfen muss - und dann kurz vor der rettenden Fahne noch hinterrücks von einem Koopa Troopa erwischt wird. Da hatte mich der Film dann endgültig verloren, das fand ich einfach zu dämlich.

Falls mir hier ein WW1-Experte versichern kann, dass 15 Minuten vor dem Waffenstillstand tatsächlich noch Frontalangriffe auf französische Schützengräben befohlen wurde, so möge er mich hier eines Besseren belehren. Aber ich habe doch arge Zweifel, dass das tatsächliche Kriegsende einer derart schmalzigen Dramaturgie gefolgt ist.

Echt schade. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film den Mut dazu gehabt hätte die Erzählweise der ersten halben Stunde komplett durchzuziehen.


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