Thema:
Idee super, Umsetzung mit Luft nach oben. Spoiler unmark flat
Autor: Karotte
Datum:16.07.22 23:08
Antwort auf:The Batman (DC, von Matt Reeves, 2021) von thestraightedge

iert.

Dass man dem Film direkt 3 Stunden Laufzeit gibt und Riddler, Pengi, Catwoman und irgendwie auch der Joker parallel zueinander ihr Unwesen treiben, hat mir sehr gut gefallen. Auch dass die Erzählweise bisserl konfus daherkommt, stört mich nicht grundsätzlich. Mir gefällt die Idee, dass Gotham einfach so komplex und zerfasert ist, dass der eine oder andere, eigentlich wichtige, Charakter auch mal längere Zeit verschwindet und sein Handlungsfaden erst später wieder aufgegriffen wird. In dieser Hinsicht und was Setdesign + Kamerarbeit angeht, ist The Batman näher an meinem Geschmack als der Zweiteiler von Christopher Nolan (uaz uaz uaz).

Allerdings gibt es auch einigen…. Schatten (höhöhö). Hauptsächlicher Kritikpunkt dabei für mich: Imho wirkt der Film, als würde er sich verdammt große Mühe geben, richtig böse und finster zu sein, aber letztlich wird dieses Versprechen abseits der audiovisuellen Machart nie wirklich eingelöst. Gefühlt wird 3 Stunden lang Spannung aufgebaut, ohne dass es jedoch jemals zu einem schockierenden Twist, Reveal oder sonstigem Paukenschlag kommen würde. Der Film wirkt wie ein Kind, das sagt: „Wenn ich erwachsen bin, will ich sein wie ‚Sieben‘!“

Leider hat man so viel Screentime in diese ewigen, verpuffenden Buildups verballert, dass am Ende nur ein paar Minuten für die Figuren und deren Beziehungen übrig geblieben sind. Bats und Kitty fahren aufeinander ab, klar, aber das ging hier echt zügig über die Bühne. Bruce und Alfred? Der Film geht davon aus, dass wir Bescheid wissen und hakt das entsprechend mit ein paar knappen Szenen ab. Dito mit JimGo. Damit bleibt das Ganze emotional echt arg kalt und leider nicht in einem guten, bewusst gewählten „Der entfremdete Mensch“-Sinn. Denn der Film will emotional mitreißen — Alfred explodiert, Selina hat Daddy Issues, Gordon puts himself on the line… dass das nicht völlig im Niemandsland von Idontgiveafuckistan versandet, ist in erster Linie den starken darstellerischen Leistungen zu verdanken.

Insofern imho ein etwas wackeliges Gesamtprodukt, das definitiv Potential hat und neugierig auf das Sequel macht, aber imho rein erzählerisch noch etwas nachlegen muss.


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