Thema:
Na ja... flat
Autor: Derrick
Datum:13.11.20 01:04
Antwort auf:The Queen’s Gambit (Serie, Netflix) von Kilik2001

Kann die Lobhudelei hier kann ich nicht ganz nachvollziehen bzw. hatte mir danach deutlich mehr erwartet. Hab jetzt 6 Folgen geguckt und irgendwie ist das alles ganz nett aber mehr auch nicht. Ja, das old school Setting ist ganz gut umgesetzt und das ist für mich auch das beste an der Serie. Mad Men war da imo dennoch ne Ecke besser.  

Die andere Sache die mich aber richtig stört ist die oberflächliche Behandlung ihrer Sucht. Zum Einen soll sie ja das Schach Genie sein, auf der anderen Seite die Abhängige die mit dem normalen Leben kämpft und am besten funktioniert wenn sie drauf ist. Diese Diskrepanz zwischen diesen beiden "Persönlichkeiten" eben. Und dadurch ist da dieser Konflikt, weil sie mit ihrem Leben und Schach nicht immer klar kommt und deswegen zu was auch immer greift. Problem ist aber dass das alles keine Konsequenzen hat wirklich. Sie pfeift sich einen Drink nach dem anderen rein, schluckt Pillen aber es wird halt selten dargestellt dass sie wirklich im Arsch ist. Oder darunter leidet. Einmal im Waisenhaus hat sie den Kopf zwei mal mehr bewegt weil sie auf "Entzug" war... Später auch als sie mal nen bißchen abgestürzt ist und dann mit zu viel Makeup (oh wie verwegen) zum Turnier erschienen ist... Ja mei...

Das hat mich so nen bißchen an Once upon a time in Hollywood erinnert. Da ist es auch so das Pitt und DiCaprio die ganze Zeit saufen, extra viel wert darauf gelegt wird zu zeigen dass sie oft betrunken sind, aber letztendlich dann doch die meiste Zeit einfach nüchtern agieren und sprechen, bloß dass sie zwei gefüllte Gläser in der Hand halten.

Es gibt halt keine Fallhöhe irgendwie. Das Zerwürfnis des Charakters ist mir einfach zu oberflächlich. Im Deutschen kommt die Protagonisten außerdem zu hölzern und wenig "echt" rüber. Ganz schlimm auch die Stimme von dem Cowboy Hut tragenden "Coolguy". Da ist die deutsche Stimme ja echt komplett unpassend. Leider muss ich auf Deutsch gucken da meine Freundin nicht so gut Englisch spricht.

Alles in allem ist das schon OK und durchaus schaubar. Hört sich eventuell jetzt auch sehr hart an. Ich guck das schon ganz gerne aber es fesselt mich leider nicht. Ich komme nicht nach Hause und denke mir: Boah ich will jetzt unbedingt die nächste Folge sehen. Meine Kritik hat auch nichts mit der Schachthematik zu tun die ich spannend vorgetragen finde und das Spiel auch verstehe und kenne. Aber für mich ist das einfach ne Serie die irgendwie die ganze Zeit darüber spricht wie kaputt eine Figur ist, das aber nicht bildlich und storytechnisch transportiert bekommt. Es ist alles etwas zu distanziert und für mich nicht nachvollziehbar. Deswegen auch mein "Na ja" dass diesen Beifall hier nicht nachvollziehen kann weil die Serie in meinen Augen, bis auf die Ausstattung, recht gewöhnlich ist.


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