Thema:
Staffel 3 Fazit (Spoiler) flat
Autor: HomiSite
Datum:07.11.20 14:16
Antwort auf:Staffel 3 jetzt bei Amazon Prime Video verfügbar von HomiSite

Was ich unten zu den ersten Staffeln schrieb, gilt immer noch: Jede Episode ist etwas zu lang(atmig), aber ist trotzdem irgendwie fesselnd. Ich stimme aber auch Derrick zu, dass June meist mit allem davon- oder durchkommt. Dabei fand ich auch manche Reaktionen von ihr einfach inkonsequent: Mal ist sie die taffe, ungebrochene Frau mit Aggro-Ansagen an Machtpersonen, dann ist sie plötzlich total panisch eingeschüchtert - oft bei derselben Person!

Sie hat doch zwei Staffeln hinter sich und muss einschätzen können, wie sie sich am klügsten verhält, aber so hätten einige Episoden ohne Probleme in S01 spielen können. Auch faseln die radikalen Machtmänner ja dauernd von den Unzulänglichkeiten der Frau - und dann kann sich June dauernd nicht beherrschen (okay, Mutterinstinkte kann ich nicht einschätzen) ...

Ansonsten starrt June wirklich dauernd total auffällig und endlos in der Gegend herum, während etwas zu platt emotionale Musik spielt. Am Ende kriegt sie dann ja doch eine Bestrafung und wird durch die erzwungene Wache am Krankenbett fast wahnsinnig. Nur scheint diese Psycho-Phase auch eine Folge wieder beendet und dann geht's rüber in den Rache-/Rettungsplot.

Ich fand es aber sehr befriedigend, dass die Waterfords in Kanada eingeknastet werden und die Kinder am Ende auch dort sicher landen! Ich hätte eigentlich noch mit einem Tiefschlag gerechnet, bspw. beim Baby: entweder durch kanadische Rückgabe oder einem Gilead-Kommando.

Da sich die Protagonisten mittlerweile eine gewissen Handlungsautonomie geschaffen haben (z.B. Mater-Netzwerk), musste die Serie wohl wieder die Zügel anziehen und schickt von der Hauptstadt (Washington Monument als Kreuz - cool!) aus Hardliner-Vorgaben ins Land (Revolution frisst ihre Väter ...? Die Hardliner-Doktrin könnte aber auch bereits wieder durch den Mord an dem Obermufti durch June erledigt sein). Geknebelte Dienstmägde, die dort sogar den Mund mit Ringen versiegelt bekommen, fand ich aber etwas zu sehr auf Schockeffekt ausgerichtet.

Im Kern sind Babys ja das Wichtigsten, was Gilead hat. Da sollte man die Zwangsleihmütter sicher nicht noch mehr misshandeln. Auch ist es eigentlich leichtsinnig, dass Kinder immer rituell zuhause geboren werden, wenn es doch medizinische Betreuung gibt (wobei ja wohl geschultes Personal und bestimmte Medikamente Mangelware sind). Oder June da unbeaufsichtigt im Krankenhaus zu lassen.

Nach dem Ende der Staffel können die Dienstmägde aber kaum ungeschoren davonkommen und bei über 50 befreiten Kindern dürfte doch auch das Mater-Netzwerk verbrannt sein?

PS: Die Kaiserschnittszene war recht drastisch, auch wenn die Babypuppe billig wirkte. Und die fiese Nicht-Rettung der Ehefrau Lawrence war ja 1:1 BREAKING BAD (okay, dort war's eine Überdosis, hier ja wirklich ein Selbstmordversuch).


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