Thema:
Komm und sieh (Antikriegsfilm 1984) - Meisterwerk flat
Autor: Fritz Schober
Datum:09.09.20 17:10

Die meisten westlichen Hollywood Antikriegsfilme (Apocalypse Now, Platoon, Saving Private Ryan, Full Metal Jacket etc.) sind im Grunde Kriegsfilme welche entweder konstant oder irgendwann im Laufe der Story die Gewalt verherrlichen (wenn z.B. "die Guten" zurückschlagen oder gewinnen). Ich habe bislang erst einen Antikriegsfilm gesehen bei dem ich keinerlei Verherrlichung finden konnte.

Man kann ihn hier kostenlos bei Youtube gucken (Russisch mit deutschen Untertiteln):

Иди́ и смотри́ (Komm und sieh) heißt er
[https://www.youtube.com/watch?v=UkkJZweYaLI]

Es spielt aus der Sicht des russischen Teenagers Fljora der im dritten Jahr der deutschen Besetzung Weißrussland ein Partisanenkämpfer werden will. In den ersten Minuten wirkt der Film etwas wirr was aber eher daran liegt dass die Fantasiewelt der Kinder die im Krieg leben sich mit der Alltag in so einer Situation vermischt. Mein Vater hat mir auch erzählt dass sie mit Knochen eines durch Fliegerbombe getroffenen Friedhofs und Schwarzpulver aus Blindgängermunition als 8 Jährige gespielt haben ohne sich einen Kopf darüber zu machen. Im Krieg ist der Alltag sehr sehr befremdlich.

Viele Reaktionen der Protagonisten wirken auf mich auch in dem Film etwas seltsam, ähnlich geht es mir oft bei koreanischen und chinesischen Filmen. Das sind halt kulturelle Unterschiede. Die Figuren sind oft sehr vielschichtig und "grau" in ihrem Verhalten. Da der Film sich so sehr auf den subjektiven Eindruck der Personen vor Ort mit ihrem Mangel an Information und Übersicht einlässt, ist man selber of verwirrt und verloren in der Situation. Man bleibt betroffen zurück und selbst die schlimmsten Mordbuben wirken wie Marionetten in einem ekelhaften Theater bei dem Fäden weit weg gezogen werden.

An keiner Stelle kam sowas wie hurra Patriotismus auf. Wirklich ein Meisterwerk.


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