Thema:
Gestern beendet und Fazit flat
Autor: Corben Dallas
Datum:02.06.24 11:07
Antwort auf:Banishers - Ghosts of New Eden - Ghost Witcher von Pfroebbel

Nach 113 Stunden und 100% World Completion habe ich am Samstag Abend Banishers beendet. Meine Erwartung an das Spiel war eine vollkommen andere, als das was ich am Ende bekommen habe.

Mich sprach des Setting an. Spukgeschichten im Amerika des ausgehenden 17. Jahrhunderts? Da bin ich dabei. Erwartet habe ich ein Spiel dessen Geschichte ich in ca. 10 - 15 Stunden durch habe. Irgendwas in Richtung Hellblade: Senua. Bekommen habe ich ein Epos, das mich mehr als 100 Stunden bestens unterhalten hat. Bis zuletzt habe ich immer neue Bereiche der Karte aufgedeckt, Spukermittlungen durchgeführt und Geheimnisse gefunden.

Von Beginn an war ich von der Geschichte, wie sie erzählt wird und der audiovisuellen Umsetzung begeistert. Das hatte mich sofort an den Eiern und mich bis zum Schluss nicht mehr los gelassen. Eingebettet ist das alles in eine der besten und schönsten Spielewelten, die ich bisher gesehen habe. Jede Region in Banishers bietet etwas anderes: Dunkle Wälder, nebelige Sümpfe, eiskalte Bergregionen, stürmische und zerklüftete Küsten - alles wurde mit unfassbar viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Ein Fotomodus war mir bisher in jedem Spiel egal - hier habe ich das zum ersten mal wirklich genutzt, weil ich manche Settings einfach atemberaubend schön fand.

Jeder Winkel der Welt ist vollgestopft mit verschiedenen Wegen, Secrets, Höhlen, Aufgaben, Schatzkarten, und sonstigen Extras. Hier wurde aber ganz klar der Schwerpunkt auf Videospielelogik gelegt. Man kann nur wo rein, runter oder rauf, wenn man macht, was  das Spiel von einem erwartet. Da wird ein Bretterverschlag für unsere Superhelden desöfteren zum unüberwindbaren Hindernis.  

Die Kämpfe und die zu Grunde liegende Mechanik empfand ich auf „normal“ als unnötig kompliziert. Da gibt es X Skilltrees, die sich irgendwie gegenseitig beeinflussen. Das ist dann so was wie:  Wenn Red blockt und einen Schritt nach hinten macht kann Antea mit Fähigkeit Y 75% mehr Schaden verursachen. Dazu kann man noch pro Charakter jeweils 5 Waffen/Fähigkeiten mit diversen Zutaten aufleveln. Die unterschiedlichen Waffen, Rüstungen/Ringe etc. haben dann auch wieder diverse Boni oder Mali. In der Praxis war Antea nach einer Weile so stark, dass ich mit ihren 3 Standardzaubern alles im Griff hatte und Red meist nur mit dem  Gewehr aus der Ferne agiert hat. Vielleicht ist das auf höheren Schwierigkeitsgaden anders und man muss sich tatsächlich mit den Feinheiten des Systems auseinandersetzten.

Viel interessanter fand ich, dass jede Entscheidung, die ich getroffen habe und jedes Gespräch, das ich geführt habe Auswirkungen auf die gesamte Welt von Banishers hatte. Da ist beinahe jeder mit jedem bekannt und reagiert auch entsprechend auf Entscheidungen, die ich bei Spukermittlungen getroffen habe. Bei diesen Ermittlungen wird i.d.R. jemand von einem Geist verfolgt. Dann muss ich die Hintergründe erkunden indem ich diverse Orte aufsuche, Sachen finde, Geister/Echos beschwöre, Menschen verhöre um dann den Geist und den von ihm „Heimgesuchten“ mit allem konfrontiere. Anschließend muss ich eine Entscheidung treffen, die meist darauf hinausläuft einen Lebenden die Schuld zuzuweisen oder dem Geist zu verbannen bzw. zum Aufstieg zu verhelfen, was nicht immer ganz leicht ist, da gefühlt die meisten Dreck am Stecken haben oder aufgrund von unglücklichen Umständen in diese Situation gekommen sind.

Die hier getroffenen Entscheidungen habe auch mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die Welt, deren Bewohner und ultimativ auch auf das Ende von Banishers. Da gibt es nämlich mehrere Enden, was kein Spoiler ist, weil das schon zu Spielbeginn klar gemacht wird und man sich entscheiden muss, auf was man zusteuern will. Ich habe es mit meinem  Gutmenschenrumgeeiere glatt geschafft, das „schlechteste“ Ende zu erspielen, was aber irgendwie auch das coolste ist, weil einem so diverse Zusammenhänge klar werden und es förmlich Schuppen von den Augen regnet. Aber auch die „guten“ Enden haben immer einen mehr oder weniger bittersüßen Beigeschmack, weil eben jede Entscheidung und jede Handlung Auswirkungen haben.

Ich wurde auf jeden Fall über 100 Stunden bestens unterhalten. Am Ende fehlte mir nur eine Handvoll Collectibles bzw. Schatzkarten. Die habe ich dann mit einem Guide gesucht, um die 100% zu erreichen. Trotzdem habe ich das Spiel nicht platiniert, weil ich es dazu noch zweimal durchspielen müsste. Ob meine Liebe so weit reicht, muss ich erst noch sehen. Aktuell bin ich mit dem Erlebten absolut zufrieden.


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