Thema:
Re:Ich mach das nicht flat
Autor: token
Datum:22.07.20 16:46
Antwort auf:Re:Ich mach das nicht von harukathor

>>Ist natürlich immer schwierig wenn du solche Psychos als Keyplayer hast, meiner >Erfahrung nach ist die Psychoquote beim "I get things done"-Personal auch relativ >hoch, keine Ahnung warum das so ist.
>
>Hatte mal irgendwann eine Doku dazu gesehen, dass sich Leute mit psychotischer Denkweise in der aktuellen Geschäftswelt einfach wesentlich einfacher durchsetzen können. Wer bereit ist, "über Leichen zu gehen", wird eher nach oben befördert.


Es spiegelt ja im Grunde einfach nur den Wertekatalog von Kapitalismus wieder.
Es gibt keine Werte. Es zählt nur der Erfolg.
Diese Prinzipien wie auf dem freien Markt agiert wird, finden sich auch als eine Art Miniatur in Konzernstrukturen wieder. Beispielsweise ist es normal und gewünscht wenn da auch Bereiche gegeneinander kämpfen, obwohl sie im Grunde nur der rechte und linke Arm des gleichen Körpers sind. Die Idee, wenn diese Arme gegeneinander ringen werden sie stärker und der Körper profitiert. Die Realität ist oftmals das Gegenteil, der Körper wird davon sabotiert dass die Arme gegeneinander kämpfen statt sich die Arbeit des Körpers sinnvoll aufzuteilen.
Solche Probleme werden aber in den zerklüfteten Strukturen selten wirklich transparent, ist schon immer so gewesen, hat doch immer schon funktioniert.

Auf der anderen Seite gilt dann aber auch, wenn du dich nicht durchsetzt, wirst du automatisch verarscht. Ich hatte den Choleriker angesprochen. Unter dem ging es mir aber ziemlich gut. Ich bin bei dem rein und meinte, Boss, mir geht gerade Bereich X und Y auf den Sack, ich brauche dies und das und die liefern nicht und labern und verarschen mich und spielen mit ihrer Verantwortung jetzt schon zwei Wochen Tennis. Ich pack das so nicht, ich komm hier nicht weiter.
Und dann hieß es nur, ja, Moment, ich meld mich gleich. Dann hörst du ihn am Telefon zwanzig Minuten rumbrüllen, und dann kommt er mit einem dicken Grinsen raus und meint, Lieferung kommt morgen, kommt sie nicht, kommst du direkt zu mir.

Der hat dann irgendwann das Unternehmen verlassen und wurde von einem stinkfreundlichen Nasenbär ersetzt. Fachlich hatte der es drauf, aber als Führungskraft hat er sich nur verarschen lassen. Immer waren wir die Doofen auf die alles abgewälzt wurde. Ich hab dann irgendwann gekündigt, denn dass er sich verarschen ließ betraf halt auch implizit mich in meiner Arbeit, nichts, von dem was ich an ihn als Problem oder Wunsch auf Führungsebene delegiert habe, hab ich bekommen, nichts, außer einem Sorry mit Dackelblick.

Fand ich es geil mich anschreien zu lassen vom Choleriker?
Nope. Natürlich nicht. Aber ich konnte auch damit umgehen, das war halt sein "business language". Er war halt wie ein Kampfhund, aber ein Kampfhund der auf mich aufgepasst hat, auch wenn man hier und da mal selbst gebissen wurde.
Die Weichflöte war halt nett, aber was bringt das?
Müsste ich wählen zwischen einem verrückten Macher und einer charmanten Schaufensterpuppe die von verrückten Machern nach belieben rumgeschubst wird, dann würde ich mich immer für den Verrückten entscheiden.

Diese Klima-Problematiken sitzen halt tief und sind by design.
Wer Werte haben möchte bei denen sich ein Unternehmen nicht nur am zu Stande kommen von Erfolg messen möchte, sondern auch daran wie dieser Erfolg zu Stande kommt, der müsste solche überhaupt erstmal formulieren.
Aber auch da tut sich nach meiner Wahrnehmung zunehmend was.


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