Thema:
Mein letztes durchgezocktes Spiel 2018. flat
Autor: Sockenpapst
Datum:02.01.19 09:59
Antwort auf:Mutant Year Zero: Road to Eden (PS4, Steam, Xbone) von K!M

Und es war super.

Zu den umfangreichen Stärken des Games wurde bereits alles gesagt, deshalb nur soviel: Das Spiel schafft den Spagat zwischen Zugänglichkeit einerseits und Genre wie Spielzeit angemessener Tiefe andererseits bravourös, indem es sich auf wenige, hervorragend funktionierende Elemente beschränkt. Das Spiel ist jederzeit lesbar, fair und hat auch den Mut, genau zum richtigen Zeitpunkt zum Ende zu finden, gerade dann, als sich doch langsam zu viel Routine einschleicht. Dazu fand ich den voreingestellten, "schwierigen" Schwierigkeitsgrad ungemein befriedigend, da er einen immer wieder zwingt, sich mit den taktischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, ohne dass es freilich in eine Wissenschaft ausufern würde. Und die ständige Medipak-Knappheit ist fantastisch, da sie einen zwingt, mit seinen Ressourcen zu haushalten und offene Feldschlachten schon mal gerade so mit zwei kapotten und kurz vor dem Verbluten stehenden Figuren gewonnen werden. Schweißtreibend und geil.

Was mir jedoch mir zunehmender Spieldauer Kopfschmerzen bereit hat, war das Charaktermanagement. Zunächst einmal bin ich ein Freund der sehr klassischen Schule, nach der es nicht mehr spielbare Charaktere gibt, als in die Party passen. Klar, gibt es kaum noch, weil Gründe. Persönliches Pech.

Hier jedoch wäre eine solche Reduktion absolut sinnvoll gewesen: Zum einen tragen drei der fünf Viecher absolut nichts zur Story bei, sind also schon rein dramaturgisch über den Durst. Zum anderen - und das wiegt um ein Vielfaches schlimmer - sind diese Charaktere in spielerischer Hinsicht weitgehend austauschbar. Zu viele der freischaltbaren Perks wirken generisch, und es ist kein Zufall, dass viel zu viele noch nicht einmal individuell, sondern auch bei anderen Figuren vertreten sind. Da es zudem keine einzigartigen und charakterspezifischen Waffen oder Rüstungen gibt, wirken die zusätzlichen Figuren eher wie eine lästige Pflichtübung und auf mich wie dem pflichtschuldigen Abarbeiten einer Checkliste entsprungen. Sehr befremdlich, bei dem ansonsten - im Wortsinne - so selbstbewussten Designansatz. Letztlich habe ich ab ca. der Hälfte des Spiels nur auf einem der drei Charakterslots regelmäßig zwischen zwei Figuren gewechselt, je nachdem, ob ich schleichen oder attackieren wollte. Fühlte sich etwas sinnfrei an.

Hätte man sich von vornherein auf drei starke und sich spielerisch deutlicher unterscheidendere Charaktere beschränkt, es hätte dem Game gut getan. In dem Zusammenhang fällt auch auf, dass die Fähigkeitsbäume nicht immer sinnvoll designt sind: Das Schwein bspw. hat drei dem Grunde nach interessante "Major" Mutationen, von denen mit dem "Hog Rush" jedoch eine gegen menschliche Gegner so dermaßen wichtig ist, dass ein Verzicht auf dieses Perk eigentlich nicht in Frage kommt und damit die beiden anderen Perks quasi ungenutzt blieben. Auch die Progression leidet durch solche Manöver: Bei ca. Level 35 hat man eigentlich alle sinnvollen Mutationen und sonstigen Perks, wer langsam & systematisch vorgeht sieht dann bis Level 75 (damit habe ich das Spiel beendet) nichts wirklich Neues mehr, was mehr als schade ist. Insbesondere, weil es auch kaum neue und bessere Waffen gibt, so dass es zu früh zu spielerischer Stagnation kommt.

Glücklicherweise widersteht Mutant aber der Versuchung, das Teil zum 50 Stunden-Brecher aufzublasen, und endet - wenn auch leider sowohl inhaltlich (Story) als auch inszenatorisch ("Endgegner") erstaunlich unspektakulär - dann zum richtigen Zeitpunkt, so dass keine echte Langeweile aufkommt.

Einen etwaigen Nachfolger würde ich dennoch blind kaufen. Ich hoffe nur, dass dieser seiner reduzierten Linie treu bleibt und diese in mancher Hinsicht sogar noch verschärft - dummerweise genau das Gegenteil dessen, was Nachfolger regelmäßig so machen, ich weiß...


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