Thema:
Re:Autonomes Fahren flat
Autor: Blanko
Datum:17.11.24 14:56
Antwort auf:Autonomes Fahren von Pfombo

>Jetzt mal so ganz plump gefragt: Brauchen wir das wirklich? Braucht die Menschheit das? Oder ist es eher die Autoindustrie, die das braucht? Hier setzen sich ja einige damit auseinander.

Definiere "brauchen wir das" in einem Videospieleforum ;)

Aber Spaß beiseite, hier mal ein paar Gedanken dazu:

Unfälle, Tote, Verletzte:

im Idealfall fahren ab einem Zeitpunkt X alle Fahrzeuge auf unseren Straßen autonom und sind so vernetzt, dass sie jederzeit wissen, wo alle anderen (für sie gerade relevanten) Fahrzeuge sich befinden. Das hat dann logischerweise zur Konsequenz, dass es keine Verkehrsunfälle mehr gibt, die auf menschliches Versagen zurückgehen, was je nach Quelle 88-92% aller Unfälle tun.

Das mal in Zahlen:
- 2023 gab es in Deutschland 2800 Verkehrstote, und 366.000 Verletzte, 52.000 davon schwer. Nehmen wir den Mittelwert von oben und reduzieren diese Zahlen um 90% Prozent, würde Autonomes Fahren also dann 2500 weniger Tote und 330.000 weniger Verletzte pro Jahr bedeuten. Vorausgesetzt es entstehen durch autonomes Fahren nicht neue Gefahren auf der nicht-menschlichen Seite, die diese Zahlen wieder "ausgleichen"

Individueller Komfort:
Das mag für einen Städter, der im normalen Alltag vielleicht mal 20 Minuten mit Bus/Ubahn zum Kino fährt und den Einkauf auf dem Heimweg vom Büro erledigt, nicht so dramatisch scheinen, aber für Leute am Land wie mich wäre es ein absoluter Gamechanger. Hier (oberbayerische Kleinstadt) fährt Wochentags der Bus in die Stadt/zum Bahnhof einmal pro Stunde und ab 20:00 sowie von Samstag 13:00 bis Montag morgen um 5:00 gar nicht mehr. Wir wohnen am Rand, der nächste Supermarkt ebenso die nächste Kneipe etc. ist 30 Minuten zu Fuß weg, mit dem Rad ca. 12 Minuten. Das heißt, dass wir bis auf Familienausflüge mit dem Rad, quasi ALLE Erledigungen mit dem Auto machen: Kinder zu Sport/Freunden, bei Nachmittagsunterreicht von der Schule abholen, Einkaufen, Freunde treffen etc.

Bei all diesen Fahrten nicht mehr selber lenken zu müssen, wäre ein massiver Lebensqualitätsgewinn. Mal ganz davon abgesehen, dass die Kindern dann z.B. auch allein vom Auto zu Freunden gebracht werden könnten und nicht immer ein Elternteil damit belegt ist.

Bringt mich zum nächten Punkt:

Mobilität für "Führerscheinlose":
Egal ob Kinder/Jugendliche, körperlich eingeschränkte oder schlicht zu alte Menschen: autonomes Fahren würde all diesen Leuten ermöglichen, VIEL mobiler und flexibler zu sein. Egal ob Fahrdienste zu/von Freunden/Sport, Abholen "nach der Disco", Einkaufsfahrten etc. - es wäre ein riesen Unterschied!  

Und schließlich:

"Business-Mobilität" für alle
Den Komfort "auf dem Weg" Nachrichten zu lesen, konzentrierte Gespräche zu führen oder schlicht zu entspannen/zu schlafen ist bei kurzen und mittleren Strecken aktuell Menschen mit Chauffeur vorbehalten (in Zug/Flugzeug macht es dann keinen Unterschied mehr). Diesen Komfort könnte bei Vollautonomen Fahren jeder haben - und dadurch je nach Lebenssituation enorm Zeit sparen/gewinnen.

Auch hier gilt: vermutlich gibt's da sehr unterschiedliche Perspektiven je nach Lebenssituation. Von mir ausgehend: wenn ich die regelmäßig 40-50 Minuten hinterm Steuer ins Büro nach München oder die 80-90 Minuten zum Flughafen (mind.1x / Monat) voll am Laptop/Telefon nutzen könnte, wäre das für mich entweder ein Gewinn an Freizeit oder ich könnte jeweils mehr an diesen Tagen erledigen, als es aktuell der Fall ist. Bei Menschen im Außendienst wäre der Effekt nochmal dramatisch größer.


Also alles in allem: "brauchen" im Sinne von "geht es auch ohne irgendwie" tun wir das alles vermutlich nicht. Aber "brauchen" im Sinne von "wäre es ein absehbar großer Zugewinn an Komfort und Lebensqualität" - da würde ich sagen: auf jeden Fall!


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