Thema:
Re:Fragmentierungseffekt flat
Autor: Killersepp (deaktiviert)
Datum:02.02.24 13:44
Antwort auf:Fragmentierungseffekt von Eidolon

>Warum wohl tritt der in Europa zu beobachtende Fragmentierungseffekt in immer kleinere Parteien nicht in den USA auf? Es ist ja nicht so, dass Dems/Reps in Stein gemeißelt sind. Wenn man (>100) Jahre in die Vergangenheit schaut, sah die Parteienlandschaft der USA auch schonmal anders aus.

Naja, nicht wirklich. Spätestens seit dem (viel zu frühen) Ende der Reconstruction - und effektiv seit vor dem Bürgerkrieg - besteht die Amerikanische "Duopolie". Das einzige, was sich geändert hat, sind Parteien selber - Republikaner und Demokraten haben in einigen politischen Bereichen komplett die Rollen getauscht, der sogenannte "Party Flip" vollzog sich über eine periode von ein paar Jahrzehnten, und war spätestens mit der Präsidentschaft JFK's vollzogen, als die Demokraten die "Partei der Bürgerrechte" wurde, und die ganzen Rassisten aus dem Süden in die GOP gewechselt sind.
Allerdings wie gesagt nur teilweise: Wirtschaftlich waren die Demokraten auch schon vor dem Flip eher populistisch/sozialdemokratisch, und die Republikaner eher liberal.

Ja, es gab immer mal wieder starke 3rd Parties/Candidates - vor allem die Bull-Moose Party, die mit Teddy Roosevelt 1912 sogar zweiter wurde, und der unabhängige Tea Party-Vorläufer Ross Perot, der 1992 ein beachtliches zweistelliges Ergebnis einfuhr.
Im Endeffekt wirkten diese Parteien/Kandidaten aber immer nur als Spoiler, die das jeweilige Lager zersplittern - so hätten Woodrow Willson 1912 und Bill Clinton 1992 ohne diese "Hilfe" wahrscheinlich nicht gewonnen. Durch das winner takes it all-Prinzip gibt es nun mal keine Koalitionen, und alle Stimmen an eine 3rd Party sind doppelt verschenkt.


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