Thema:
Re:Fuck! Milei gewinnt in Argentinien... :( flat
Autor: Phil Gates
Datum:20.11.23 12:07
Antwort auf:Re:Fuck! Milei gewinnt in Argentinien... :( von Kilian

>>Ob ich das will ist eine ganz andere Frage.
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>"Wird ggf. spannend..."
>
>[http://maniac-forum.de/forum/pxmboard.php?mode=message&brdid=6&msgid=5302280]
>


Ich gebe zu, dass ich mich erst nach dem Posting mit seinen Einzelforderungen auseinandergesetzt habe.

>>Das argentinische Volk scheint das aber mehrheitlich zu wollen.
>
>Was du nicht sagst. >_<
>
>Die schlimmsten Schlächter des 20. Jahrhunderts wurden auch demokratisch gewählt. Und jetzt?


Stalin nicht, Pol Pot auch nicht. Der einzige wirkliche Schlächter, der formaljuristisch "verfassungsgemäß" an die Macht kam, war Hitler. Und der hatte nur 30% der Stimmen.

>
>>Ich finde das eher faszinierend.
>
>Das ist aber nicht das Terrarium im Zoo, sondern ein ganzes Land mit echten Menschen, Schicksalen etc.! Mal schauen was deine Schwester sagt, wenn es jetzt erst so richtig nach unten geht wie bspw. vor 20 Jahren mit Venezuela. Extremisten sind nie eine gute Wahl.
>


Das ist richtig. In Argentinien scheint es aber keine gemäßigten politischen Kräfte zu geben. Die Peronisten fahren eine seltsame Mischung aus nationalem Protektionismus (ich dürfte bspw. kein Unternehmen dort gründen oder eine Immobilie kaufen) und Sozialismus. Milei ist natürlich auch extrem. Mir wäre ja auch mit Macri bzw. seinem Kandidaten am Wohlsten.

>>Der ist denke ich auch nicht mit Donald Trump zu vergleichen, er ist nämlich nicht fremdenfeindlich, zumindest habe ich dazu noch nichts gelesen. Er ist auch nicht konservativ, ganz im Gegenteil, der ist disruptiv.
>
>Der Typ ist politisch bipolar und hat sich seine Haltung aus Extrempositionen links wie rechts zusammengesucht.


Ja, aber offenbar ist das der Weg, wie man in Argentinien bzw. Lateinamerika Wahlen gewinnt. Schau Dir mal das Theater an, was in Venezuela abgeht oder in Mexico.

>Wie ich schon schrieb (was du ja sicher gelesen hast):
>
>[http://maniac-forum.de/forum/pxmboard.php?mode=message&brdid=6&msgid=5302294]
>
>Er ist zwar frauenfeindlich, aber - hey - immerhin nicht fremdenfeindlich (und will natürlich nur aus Gründen der Deregulierung das Nationale Institut gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus abschaffen). Er will "den Staat" zurückfahren, dabei Waffengesetze lockern und das Bildungssystem privatisieren. Hey! What could go wrong?


Beim Bildungssystem will er Berechtigungsscheine verteilen. Und soweit ich weiß muss man in Argentinien schon aktuell erhebliche Studiengebühren bezahlen. Dass er frauenfeindlich ist, hatte ich jetzt nur im Zusammenhang mit Abtreibung gelesen - sehr seltsame Haltung zu dem Thema für einen Libertären übrigens.

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>In einem Land, in dem sich die Gesellschaft sowieso schon vom Staat verlassen fühlt und die Hälfte der Menschen mittlerweile in Armut leben, ist Deregulierung und "Darwinisierung" gaaanz sicher der richtige Weg. Die werden natürlich ihre Kohle in ihre Bildung stecken und ganz sicher davon absehen, sich ihr recht womöglich mit (Waffen-)Gewalt zu holen. Spannend! >_<
>


Das machen sie dort sowieso schon. Die Peronisten haben auch keinerlei Ideen, diese Probleme zu lösen.

>>Und wie schon geschrieben, wird er Kompromisse eingehen müssen, da er parlamentarisch keine eigene Mehrheit hat. Das wird sicherlich kein ungezügeltes Experimentierfeld.
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>Ja, was denn jetzt? "Ayn Rand, Milton Friedman, August von Hayek in freier Wildbahn" oder doch nicht? Und so sehr wie er die Leute gegen die politische Klasse aufgehetzt hat, wird das mit einer Koalition auch sicher richtig gut klappen.
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Umso besser, dann kann er ja gar nicht anders als zeitnah Neuwahlen anzusetzen.

>>Und nochmals: Massa hätte "weiter so" bedeutet. (...) Milei ist da vermutlich eher in der Lage dagegenzuhalten.
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>Der Typ ist ein Populist wie Bolsonaro oder Trump. Was diese Demagogen an verbrannter Erde und gesellschaftlichen Rückschritten hinterlassen, ist mit den kleinen wirtschaftlichen Erfolgen, die sie erzielt haben, nicht annähernd aufzuwiegen. Das Letzte, was die Welt aktuell braucht, ist noch so einen Fatzke an der Macht...


Warst Du schon mal in Buenos Aires? Da sind die Leute schon vor über 15 Jahren jeden Tag auf der Straße gewesen. Ich kann verstehen, dass es Dir nicht behagt, dass da ein real-life-Experiment ansteht, aber ich glaube, die Argentinier denken schlicht: wenn alles andere schon probiert wurde und nicht funktioniert hat - einschließlich Militärdiktatur (!!!) - braucht's vielleicht mal nen neuen Besen.


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