Thema:
Re:Orwellsch flat
Autor: Kilian
Datum:02.11.23 16:36
Antwort auf:Re:Orwellsch von Pezking

>Was tut das eigene Bild im Kopf zur Sache, wenn es sich trotzdem nach wie vor um ein Flüchtlingslager handelt?

"Das grenzt langsam wirklich an Völkermord, was Israel da macht. "Wie, in dem überquellenden Flüchtlingslager könnte sich ein ranghohes Mitglied der Hamas befinden? Flott mal ein paar Raketen drauf, YOLO!"

Erzähl mir nicht, dass es solche Reaktionen gegeben hätte, wenn die Schlagzeile nicht von "Flüchtlingslager" gesprochen hätte. (Beweis: Solche Bombardierungen hat es im bisherigen Konflikt dutzendfach gegeben und nie war der Aufschrei vergleichbar (höchtens bei dem Al-Ahli-Krankenshaus).)

>Dann hat man halt etwas hinzugelernt: Flüchtlingslager müssen nicht unbedingt aus Zelten bestehen.

So lapidar kann man das IMO nicht sehen. Das ist keine gute Berichterstattung, sondern im schlimmsten Fall bewusst verkürzt und im besten Fall schlechter Journalismus.

>Weiter unten hatte ich auch bereits die UN-Definition von Flüchtlingslagern verlinkt. Wenn Vertriebene über einen längeren Zeitraum so untergebracht werden müssen, ist es nicht unüblich, dass sich auch in einem Flüchtlingslager urbanere Strukturen entwickeln, damit die Menschen dort ein normaleres Leben führen können.

Das mag ja sein, aber wenn Otto Normal an ein überquellendes Zeltlager voller Zivilisten denkt (s. OP), kann man ihm das nicht übel nehmen. Die letzten Jahre waren geprägt von Berichten zu Moria oder dem Südsudan, wo solche Zeltlager-Strukturen herrschen. Das Flüchtlingslager Jabalya aber ist eine Stadt, in der unschuldige Zivilisten genauso wie Hamas-Mitglieder leben und arbeiten.


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