Thema:
Re:Nach zweitem Anschauen... flat
Autor: Pezking
Datum:02.11.23 09:49
Antwort auf:Nach zweitem Anschauen... von Random_H

>... ja, er sagt nicht ein falsches Wort, insofern kann ich das unterschreiben. Ich mag ihn ohnehin und habe immer das Gefühl, dass es mehr sind als leere Worte, wenn er etwas sagt. Wenn man die Rede allein vor dem Kontext des aufkeimenden Judenhasses hier sieht, ist sie sehr, sehr gut und nötig und vielleicht war das das einzige, was sie tun sollte.

Yep. IMO ist Habeck insbesondere auf Bundesebene ein erstaunlich authentischer und aufrichtig wirkender Politiker (auf kommunaler Ebene begegnet mir das öfter).

>Ich frage mich nur, ob die Grenze zu Antisemitismus nicht von vielen einfach sehr früh gezogen wird, um Kritik am aktuell rücksichtslosen Aktionismus zu unterbinden.

Das ist leider zweifellos der Fall, und diese Karte zieht die aktuelle rechts-nationalistische israelische Regierung auch gerne selbst. Diese Judenstern-Nummer in der UN fand ich schon hart.

>Er sagt, Israel müsse "sich natürlich ans Völkerrecht und internationale Standards halten". Tun sie das denn gerade?

Allein dass Habeck diesen Satz formuliert zeigt IMO überdeutlich, dass das aktuell nicht die Selbstverständlichkeit ist, die sie eigentlich sein sollte.

>Und werden sie es tun, nur weil Habeck das sagt, dass sie müssen?

Nein, aber ich gewinne schon den Eindruck, dass die USA und die EU in mancherlei Hinsicht bremsend auf die israelische Regierung einwirken und die humanitäre Situation nicht völlig ausblenden.

Aber diese Bemühungen haben natürlich auch Grenzen, und man will sich nicht mangelnde Solidarität oder Illoyalität gegenüber Israel vorwerfen lassen. Was ich auch verstehen kann. Das ist halt ein fieser Drahtseilakt, ohne Aussicht auf eine wirklich gute Lösung.

>Ich habe nicht das Gefühl. Und der Satz "Wer würde solche Erwartungen je an die Hamas formulieren?" Natürlich niemand. Hamas sind Terroristen. Wir sollten besser sein als die. Wir müssen.

Genau das. Und es kotzt mich an, dass ein Netanjahu und erst recht seine komplett verstrahlten Koalitionspartner so ziemlich die letzten Menschen sind, denen ich das zutraue. Und dass die damit der Hamas genau das liefern, was sie gerne haben wollte.

Außer (und auch das erscheint mir aktuell nicht vom Tisch zu sein) Israel geht einfach noch weiter und sagt sich: Och, fuck it: Gaza komplett ohne Palästinenser wäre eigentlich die konsequenteste Lösung. Und da wird's dann langsam so richtig schauerlich.

Was Habeck aber gleichzeitig auch auf den Punkt bringt, und das völlig zurecht: Nichts davon eignet sich als Rechtfertigung oder Entschuldigung für Antisemitismus.


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