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| Autor: | Pezking | ||
| Datum: | 19.10.23 11:42 | ||
| Antwort auf: | Re:Jeder wie er mag, aber von Killersepp | ||
>>>Hier dem Spiegel so einen Abwasch zu erteilen, von einer "extremen Mitte" zu sprechen, aber dann die Wiwo zu empfehlen, die immer wieder unwidersprochen z.B. Hans Werner Sinns großen Unsinn mit präsenten Kampagnen in die Welt bläst, und lange Zeit gegen Euro und EU Sturm geblasen hat, zeigt dann doch: es geht nun nicht unbedingt um neutrale, sachliche Information, sondern vielleicht eher darum das zu lesen, was einem gefällt. Das ist okay, aber hier dann so ein Feindbild im Spiegel (lol) zu sehen halte ich für wenig hilfreich im Umgang mit Medien. >> >>Ja, bei der Empfehlung von www.jacobin.com z.B. bin ich auch erstmal zusammengezuckt. Das ist schon arg linker Rand. > >Da sieht man sehr schön, wie stark verformt die Realitätswahrnehmung in einigen Bubbles ist, lol. Viele "richtige" Linke sehen hauptsächlich Jacobin als milchtoastige, vermutlich vom CIA kontrollierte Sozialdemokraten-Gazette - das Blatt wirbt ja sogar dafür, wählen zu gehen, pfui deibel! >Für Normies wie dich (nicht böse gemeint! :D) dagegen ist schon ein leichtes Anschneiden der Systemfrage wahrscheinlich schon ein Anzeichen für Stalinismus, oder so. Was du dir klar machen musst, ist dass im Westen eine wirklich antikapitalistische Linke heute eigentlich kaum noch Einfluss hat - auch wenn "Antikapitalismus" im Grunde die Definition von linker Politik ist, bzw. mal war. So gesehen hat sich die politische Landschaft im Westen schon deutlich nach Rechts verschoben, da eine wie auch immer geartete Verwaltung des realexistierenden (liberalen) Kapitalismus der absolute Grundkonsens fast aller Politik ist (auch die AfD sieht das ja nicht groß anders). Es stimmt aber natürlich, dass es große Abstufungen zwischen naktem Neoliberalismus und Gemäßigter Sozialdemokratie™ gibt. Ja, das ist mir alles bewusst, und gerade weil ich mit Kapitalismus nicht grundsätzlich auf Kriegsfuß stehe, würde ich mich auch nie als links bezeichnen. Nicht ansatzweise. Ich sehe mich in erster Linie als Demokrat, und da haben sich gefälligst sämtliche Ideologien unterzuordnen. Und Stand jetzt sehe ich keine andere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die für funktionierende und stabile Demokratien jemals einen auch nur annähernd so wirksamen Nährboden geboten haben. Ich bin mir zwar sicher, dass wir noch sehr weit von einem Idealzustand entfernt sind. Aber Demokratie und Rechtsstaat sind für mich nicht verhandelbare Größen, und ich fürchte, dass das die meisten Ideologen nicht so eng sehen. Bis dahin trete ich gerne dafür ein, innerhalb des Kapitalismus den Sozialstaat erheblich auszubauen. IMO ist hier der entscheidende Kniff, dass die Oberschicht einsehen muss, dass auch sozialer Frieden eine Art von Profit verkörpert - weil nur so revolutionäre Gedanken im Keim erstickt werden und kein Reicher befürchten muss, dass jemand die Karten komplett neu mischen will. |
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