Thema:
Re:Wagenknecht gründet eigene Partei flat
Autor: token
Datum:19.10.23 08:59
Antwort auf:Re:Wagenknecht gründet eigene Partei von _bla_

>>Ich glaub eher dass es die SPD unter zehn Prozent drücken könnte, dort sehe ich am ehesten Potenzial für eine Abschöpfung.
>
>Ich glaube die SPD Wähler, die Wagenknecht toll finden, haben ohnehin schon Linkspartei oder AfD gewählt. Ganz viele der jetzigen SPD Wähler werden Stammwähler sein, die schon immer SPD wählen und sich nicht leicht abwerben lassen. Ich sehe einfach nicht so richtig die Wählergruppe in der SPD, für die eine Wagenknecht Partei attraktiver wäre, als Linkspartei oder AfD. Was wird denn Wagenknecht liefern? Es wird wohl ähnlich populistisch und unseriös werden wie AfD, aber vielleicht nicht ganz so offen rechtsextrem wie die AfD. Aber wie man Wagenknecht kennt, wohl öfters trotzdem Rechtspopulistisch. Wo soll also Wagenknecht abschöpfen? Bei SPD Wählern, die aber eigentlich AfD Fans sind, aber Höcke zu offen rechtsextrem? Dürfte keine große Gruppe sein.


Zum einen, ich denke schon dass der Abschwung von SPD und Aufschwung von AfD eine recht direkte Verbindung mitbringen könnten, da also keine komplexen Dreiecksbewegungen drin sind. Freilich denke ich, wenn Linkspartei von der Abwanderung bei der SPD profitieren könnte, stünde sie ja nicht da wo sie steht. Das kann man imo ausblenden.

Und wenn es um die Frage geht was Wagenknecht bedienen könne, was nicht schon von AfD/Linken bedient wird, braucht man doch nur hinzusehen was Wagenknecht an der Linken moniert. Nämlich dass man sich aus ideologischen Motiven zu sehr mit Themen beschäftigt welche das potenzielle Massenpublikum einer Linkspartei nicht erreicht, während man die Kernsorgen des einfachen Bürgers nicht ausreichend fokussiert.

Und die Frau ist ja vieles, aber nicht blöd. Ich finde, sie hat da durchaus einen Punkt. Da kann ich mir schon eine Art "German's first" mit komplettem Fokus auf soziale Sorgen vorstellen, das ist denke ich durchaus ein signifikantes Publikum, das sich von verkopft zankenden Linken nicht abgeholt fühlt, das CDU und FDP egal ist, das zwar von Grünen wahrgenommen wird, aber im Konflikt mit Umweltpolitik dennoch einen weiteren Abschwung erlebt, und somit folgerichtig am ehesten im S der SPD beheimatet sein sollte.

Und da kann ich mir durchaus sehr gut vorstellen, dass man in diesem Publikum durchaus einen noch relevanten Anteil haben kann, für den Linkspartei in diesem Zustand keine Option ist, mit der AfD dennoch ein massives Störgefühl hat, und weiter SPD wählt weil es halt nichts anderes gibt.

Mit einer gelungenen Mischung aus Fokus auf die sozial Schwachen, strammen populistischen Forderungen, sanfter Erstmal-Wir-Programmatik die ohne die aufreizende Menschenverachtung der AfD auskommt aber dennoch das bedient was viele dieser Menschen denken, eher ein weiteres Loch in das sinkende Schiff schlagen könnte, als dass es das Lager der AfD-Wähler in eine weitere Fraktion zerfasert die sich dann schön gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Wünschen würde ich mir letzteres, aber ich traue der Wagenknecht durchaus zu eine Art noch nicht effizient adressierte Sehnsucht zu bedienen die noch weiter an der bürgerlichen Mitte saugt.


< antworten >