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| Autor: | suicuique | ||
| Datum: | 27.07.23 14:01 | ||
| Antwort auf: | Re:Ich glaube nicht an seine Unschuld. von Killersepp | ||
>Ich bin aber kein Gericht, und damit auch nicht an die Unschuldsvermutung gebunden. Siehe meine Antwort an Phil: Das ist meine persönliche Einschätzung der Situation. Mir ist schon klar wie Du das meinst, will dich auch nicht zum Gegenteil überreden, aber ich würde gern deinen Beitrag als Aufhänger zu einem Exkurs zur Unschuldsvermutung nutzen. Zunächst mal kurz zur Definition: Die Unschuldsvermutung erfordert dass nicht der Beschuldigte seine Unschuld, sondern der Ankläger dessen Schuld beweisen muss. Auch wenn das als Grundprinzip des Rechtsystems bekannt ist, ist es dennoch keine freie oder gar willkürliche Erfindung der Gerichte. Es basiert auf der simplen Erkenntnis dass Existenzbeweise grundsätzlich sehr viel leichter zu führen sind als Nichtexistenzbeweise. Die Beweislast liegt also naturgemäß bei jemandem der eine Tat/Existenz behauptet. Nicht bei demjenigen der sie abstreitet. Sehr salopp formuliert. Dummes Beispiel das mir gerade so einfällt: Wenn ich Kenntnis davon hätte dass Du zb letztes Jahr in Berlin warst, könnte ich die Behauptung "Du warst 2022 in Berlin" beweisen indem ich zB Zeugen, Dokumente oder ähnliches vorlegen würde. Ich sage nicht dass das in jedem Fall funktionieren kann, aber prinzipiell ginge das so. Im Gegensatz dazu könntest Du die Gegenbehauptung "Ich war 2022 nicht in Berlin" nicht so leicht belegen. In dem konkreten Fall müsstest Du zb eine lückenlose Kette von Aufenthalten an Orten != Berlin über das ganze Jahr nachweisen. Schwierig ... Was ich mit diesem Beitrag sagen will: Natürlich ist man als Diskussionsteilnehmer oder Privatmann in seiner Meinung nicht an die Unschuldsvermutung gebunden. Jeder soll und wird glauben was er will. Sie ist aber keine komplett aus der Luft gegriffene Forderung des Rechtsystems. Sie basiert auf der logischen Erkenntnis, dass die Beweisführung (Schuld vs Unschuld) nicht symmetrisch im Aufwand ist. Sie ist ... naturgegeben, um es mal pathetisch zu formulieren. gruß |
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