Thema:
Meine Erfahrung (Model 3, Kroatien): flat
Autor: Nitschi
Datum:27.06.23 11:19
Antwort auf:Reisbericht: Mit dem Model Y nach Italien von thestraightedge

Wir haben seit einigen Wochen ein Model 3 Performance, das ursprünglich eher als Zweitauto und primär für meine Frau gedacht war (die ausnahmslos im Fahrmodus "Lässig" fährt übrigens)  ;)

Um eines schon mal vorwegzunehmen: mittlerweile "ärgere" ich mich ein wenig nicht doch gleich das Model Y genommen zu haben, weil ich den großen Familien-Verbrennerkombi jetzt ziemlich sicher hergeben werde, auch wenn die Trennung ein wenig schmerzt, weil das einfach das beste Auto war, das ich jemals hatte.

Unsere erste längere Reise mit dem M3 haben wir vorletzte Woche sehr spontan nach Kroatien (Istrien) gemacht und ich wollte die auch ganz bewusst mit dem Model 3 machen.

Vollgeladen sind wir in Wien losgefahren und hatten knapp 6 Stunden Fahrt vor uns (aufgrund der kurzen Urlaubsdauer wollte Ich ohne längeren Aufenthalt oder Übernachtung ausnahmsweise durchfahren; normalerweise planen wir solche Urlaube sowieso mit maximal ca. 3-Stunden Etappen + Übernachtung, einfach weil es alles was länger dauert mit Kindern in dem Alter noch etwas nervt und für diese etwas anstrengend ist).

Nun muss ich gleich dazu sagen, dass ich (noch?) NICHT zu denjenigen gehöre, die auf der Autobahn dann mit 110 dahingleiten, ich fahre im Regelfall knapp 145 km/h, stellenweise (wenn die Autobahn sehr frei und auf lange Distanz sehr gut einsichtig ist) auch 150 bis 155 km/h. Ich erwähne das jetzt nicht weil ich mir damit "cool" vorkomme oder mich wichtig machen möchte (und ich weiß, dass das für viele ein rotes Tuch ist) sondern weil es für E-Autos wahrscheinlich eher ein untypisches und wenig empfohlenes Fahrprofil ist, das ich aber (aus vielen Jahren Gewohnheit) noch nicht ablegen möchte/kann.

Zwei Sachen:
- bei Autobahntempo ist das Fahrwerk des Model 3 P sehr in Ordnung, ich würde sogar sagen "gut" (im Gegensatz zu holprigen Gassen und Straßen im Tempobereich 5 bis 50 km/h, da ist es wirklich sehr mittelmäßig), und das sage ich als jemand, der jetzt jahrelang äußerst komfortable Luftfahrwerke gefahren ist (die sind nach wie vor mindestens eine Klasse darüber anzusiedeln, aber wir reden hier ja auch preislich von ganz anderen Welten)

- der Verbrauch hat mich sogar bei diesen Tempi (145-155) positiv überrascht, im Schnitt hatte ich ca. 20-21 kW/100km stehen

Den ersten Stopp mussten (und WOLLTEN) wir dann bei Graz einlegen, bewusst nicht bei dem Tesla Supercharger auf dieser Strecke, weil der wohl einerseits nicht überragend schnell sein soll (ältere Stalls) und andererseits ziemlich abgelegen abseits der Süd-Autobahn Österreichs (A2) liegt. Ausgewählt habe ich dann einen 3rd Party High Performance Charger von SMATRICS (ENBW Partner) direkt auf einem McDonalds Parkplatz nahe der Autobahn. Bei ca. 8% SoC hatte ich zu laden begonnen während meine Frau mit den Kindern drinnen schon die Happy Meals + Co bestellt hat. Noch bevor wir dann fertig gemampft hatten kam schon die Meldung, dass das Auto jetzt vollgeladen wäre (ca. 48 Minuten Ladedauer, wir haben uns beim Essen Zeit gelassen aber nichts bewusst in die Länge gezogen, die Kinder waren dann auch noch jeweils großes und kleines Geschäft erledigen und so weiter – das braucht dann mal alles seine Zeit).

Den Rest der Strecke (ca. 340km) sind wir dann mit dem vollgeladenen Akku durchgefahren – das war gegen Ende dann schon ein knappes Höschen und auf den letzten 30km habe ich das Tempo dann notgedrungen doch auf ca. 115 km/h reduziert. Mit 3% Restakku sind wir dann beim Hotelparkplatz in Porec angekommen (hatte mich vorhin telefonisch erkundigt ob wir dort laden können). Es hätte bei Maribor oder Ljubljana durchaus Tesla Supercharger gegeben, ich wollte aber in dem Fall keinen Stopp mehr machen.

Die Rückreise verlief ähnlich, wobei ich hier 2 kleinere Stopps eingelegt hatte:

- 1x für 15 Minuten bei einem älteren Tesla Supercharger in Slowenien, da wollten/konnten die Kids beim benachbarten Casino-Hotel schnell eine nötige Klopause einlegen; Laderate lag dort nur bei knapp 50 kW und war somit sehr enttäuschend
- und 1x bei einem IONITY Charger auf der kroatischen Autobahn Richtung Graz (hat top funktioniert, aber die Preise sind mit 0,79 pro kWh schon äußerst happig) – in Graz selber haben wir den McDonalds Mampf- und Ladestopp analog zu Hinreise wiederholt – in Zukunft werde ich die Stopps eventuell mit etwas bekömmlicheren Gastro-Angeboten planen.

Trotz der von mir gewählten, sehr teuren Ladeanbieter (SMATRICS und IONITY) hat mich die gesamte Reisestrecke "nur" knapp 95 EUR gekostet (80 EUR auf den Autobahnen und ca. 15 EUR für den vollen Akku, den ich zuhause ja vor der Reise zu 0,20 Cent/kWh vollgeladen hatte) , das sind ca. 7,5 EUR pro 100km. Das ist natürlich nicht super billig und es wäre mit ein wenig Umplanen und dem gezielten Anfahren von Superchargern (habe noch ca. 9800 Freikilometer und auch zu den regulären Preisen von 0,40-0,45/kWh) deutlich günstiger möglich gewesen, aber im Vergleich dazu hätte mich die Reise mit dem großen Familienkombi ungefähr 300 EUR an Sprit gekostet, also mehr als das 3-fache!!

In Zukunft werde ich auf jeden Fall versuchen öfters die Supercharger zu nutzen (auf der Südstrecke von Wien nach Kroatien ist die Versorgung mit SuCs leider noch nicht besonders gut, es kommen aber in den nächsten Wochen 3-4 neue Locations dazu, dann ist das DEUTLICH einfacher), dann sollten es möglich sein, die  durchschnittlichen Reisekosten auf vermutlich 4-5 EUR pro 100km zu senken (ab und an werden wir auch in Zukunft IONITY oder andere 3rd Party Ladesäulen anfahren). Das ist im Vergleich zu meinem Audi (ca. 25 EUR / 100km) eine immense Ersparnis – und das beste daran: mir macht das Fahren dennoch kaum weniger Spaß, je nach Situation sogar mehr, weil es durch das lautlose dahingleiten nochmal entspannter ist, ohne dass ich allzuviel Herumschleichen muss.

Im Großen und Ganzen war ich jedenfalls sehr positiv überrascht wie angenehm sich das Auto ganz generell auf der Langstrecke fährt, wieviel Platz sowohl wir als auch die Kinder im Fahrgastraum hatten und auch (obwohl es  "nur" das Model 3 ist) wieiviel Gepäck wir problemlos untergebracht bekamen. Sommerurlaube mit bis zu 10-14 Tagen Dauer sind damit für uns überhaupt gar kein Problem – bei den Winter/Ski-Urlauben müssen wir uns das noch ansehen. Da wäre das Model Y definitiv ein wenig besser geeignet. Aber vielleicht wird das in den nächsten Monaten ja auch noch angeschafft. ;)


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