Thema:
Re:Frage flat
Autor: Froschi
Datum:15.11.17 16:45
Antwort auf:Frage von Nehemia

>Ich spiele schon lange mit dem Gedanken Gitarre zu lernen, 2 Fragen dazu:

Nicht mit dem Gedanken spielen. Einfach machen.

>1. Kann man auch mit E-Gitarre lernen? Ich hätte lieber eine E-Gitarre, weil das niemand stört wenn ich furchtbar schlecht spiele, weil ich Kopfhörer auf habe.

Türlich. Ist zum Einstieg sogar grundsätzlich einfacher als die Akustikgitarre, da der Hals schmaler ist, und du gerade beim Greifen von Barréakkorden weniger Schwierigkeiten hast. Hat aber natürlich gleichzeitig den Nachteil, dass der Saitenabstand geringer ist, was bei Wurstfinger-Anfängern für Frust sorgen kann.

Das Hauptproblem, das ich sehe, und weswegen ich dir auch raten würde, doch lieber mit einer Akustikgitarre anzufangen, ist, dass du mit einer E-Gitarre und dem damit verbundenen Verstärker kein Gefühl für den richtigen Klang von Tönen entwickelst. Unverstärkt ist es sogar noch schlimmer, da Stahlsaiten einfach nur "pänk" machen, ohne die harmonischen Schwingungen der Nylonsaiten. Klar macht das Schrammeln mit schöner Verzerrung Spaß, jeder Schimpanse kann Powerchords dreschen, und so manche, ahem, Musik ist ja auch nur damit möglich. Aber ich bin eher klassischer Gitarrist, ich weiß klare Töne und Harmonien sehr zu schätzen, ich kann meine Gitarren komplett nach Gehör stimmen - einfach, weil ich weiß, wie die einzelnen Saiten zu klingen haben. Das ist deutlich schwerer (nicht unmöglich, aber schwerer), wenn du mit einem E-Gitarren-Einsteigerset loslegst, dessen Billo-Amp in aller Regel keinen wahrlich reinen Klang ermöglicht.

>2. Wie lernt man das am besten? Ein Freund schwört auf Rocksmith. Noten lesen kann und konnte ich nie, mein Musiklehrer damals so in den 80ern hat bei mir in 3 Tagen graue Haare bekommen.

Rocksmith ist tatsächlich gar nicht übel - aber eigentlich nur zum Lernen von einzelnen Songs. Spezifische Techniken bringt's dir nicht bei (jedenfalls soweit ich mich erinnern kann - ist schon ewig her, dass ich das gespielt habe. Kann gut sein, dass das Programm mit den neuen Versionen mittlerweile weiter ist.) Notenlesen musst du nur können, wenn du nach Noten spielen oder Musik so schreiben möchtest. Tabulaturen lesen solltest du schon können, aber das ist wirklich ein Klacks.

Der wichtigste Tipp, den ich dir geben kann: Dranbleiben, dranbleiben und, ach ja, dranbleiben! Du machst am Anfang normalerweise sehr schnell Fortschritte (das grundlegende Greifen der Standard-Akkorde hast du nach ein paar Tagen drauf) - aber die allermeisten scheitern an der danach benötigten Zeitinvestition. Das Erlernen von Tonleitern, der flüssige Wechsel zwischen den Akkorden, das Transponieren von Akkorden, fortgeschrittene Techniken wie Tapping oder Sweeps, die je nach Spielsituation korrekte Haltung des Plektrums, verschiedene Strumming-Techniken, das flexible Abdämpfen von Saiten - all das (und natürlich noch viel mehr) verlangt Zeit, Beharrlichkeit und Frustresistenz (gegen "WAAAAAAAAAH, WIE SOLL DAS GEHEN, DAS SCHAFFE ICH NIE!"-Gedanken). Und eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit, weil dir die Fingerkuppen der Greifhand am Anfang tierisch weh tun werden.  :D

Vereinfacht gesagt: Das Intro-Riff von "Nothing else matters" hast du problemlos in einer Stunde drauf. Für den Rest des Songs brauchst du ein Jahr. Bist du bereit, diese Zeit zu investieren?


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