Thema:
Re:Noch nichts zu der Cochrane Meta-Maskenstudie hier? flat
Autor: Atlan
Datum:03.02.23 01:46
Antwort auf:Re:Noch nichts zu der Cochrane Meta-Maskenstudie hier? von Derrick

>https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/masken-corona-studie-1.5744008

Ich halte das, was der Artikel hier macht, für hochproblematisch und stellvertretend für die Diskussionskultur auf allen Seiten.

Denn ich bin mir ziemlich sicher, diesen Artikel hätte es so nicht gegeben, wäre methodisch exakt dieselbe Studie mit exakt denselben (vermeintlichen) "Mängeln" und Einschränkungen herausgekommen aber mit gegenteiligem Ergebnis. Sondern man hätte begeistert auf die neue Cochrane-Metastudie hingewiesen, die nun bestätigt, was man ja schon immer gesagt hat, und das war's.

Genau so läuft es inzwischen auf allen Seiten, von ZeroCovid-Anhängern bis Querdenkern:

Erscheint eine Studie, die die eigene bestehende Meinung bestätigt, wird sie relativ unkritisch übernommen und bejubelt als Beweis für das, was man ja schon immer gesagt hat - egal wie schlecht sie ist. Wer auf Mängel hinweist, will sie nur miesmachen, weil ihm das Ergebnis nicht passt.

Erscheint eine Studie, die an der eigenen bestehenden Meinung zweifeln lassen könnte, wird jedes nur erdenkliche Haar in der Suppe gesucht und wo nur möglich relativiert, um sie zumindest nicht ganz so ernst nehmen oder am besten gleich ignorieren zu können - egal wie gut sie ist. Hauptsache, man kann am Ende sagen "Nee, das ändert nun wirklich nichts." und seine Meinung beibehalten. Genau so verfahren auch Querdenker.

Im Grunde sind faktenbasierte, sachliche Diskussionen auf allen Seiten inzwischen sinnlos, von Corona bis Politik und Wirtschaft. Weil jeder eh nur noch ihm genehme Studien (und Medien etc.) als valide Argumente akzeptiert und an alles andere mindestens voreingenommen herangeht, wenn nicht gar gleich als Feindpropaganda weglacht.

Aber nur weil irgendwelche Querdenker oder rechten Deppen irgendwas zu ihren Gunsten vollkommen überinterpretieren, heißt es ja nicht, dass wir Vernünftigen nicht trotzdem mal kritisch in uns gehen und was daraus mitnehmen können. Da muss man nicht immer gleich reflexartig das Kind mit dem Bade ausschütten und sich selbst genau so die Finger in die Ohren stecken wie es die anderen tun (das ist jetzt aber nicht auf dich bezogen).

Alle Diskussionen werden heute immer mit dem Gedanken im Hinterkopf geführt, was irgendwelche Querdenker aus dem Thema machen, und mit entsprechender Härte geführt. Auch wenn solche Leute gar nicht anwesend sind. Das ist nicht gut.


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