Thema:
Re:Danke! Und passender Link als Antwort. flat
Autor: _bla_
Datum:31.01.22 19:30
Antwort auf:Re:Danke! Und passender Link als Antwort. von Transistor

>>[https://www.zeit.de/gesundheit/2022-01/impfpflicht-debatte-gegenargumente-wissenschaft]
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>Der Artikel ist jetzt aber auch kein Highlight.
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>"Bei Omikron biete die Impfung zwar tatsächlich weniger Schutz für andere, sagt Omer, aber der Fremdschutz sinke keinesfalls auf null. So komme es auch bei Omikron in Haushalten zu weniger Übertragungen, wenn die Mitglieder geimpft und bestenfalls geboostert sind, wie Daten aus Dänemark zeigen (MedRxiv: Lyngse et al., 2022, PDF)."
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>Die Aussage "keinesfalls auf null" ist natürlich alles andere als falsch, aber ist das die Hürde über die eine Impfpflicht springen muss?


Würde man die Impfpflicht ausschließlich mit Fremdschutz begründen, würde das das natürlich nicht ausreichen. Am Ende muss das Gesamtpaket stimmen und da ist der Fremdschutz durchaus relevant.

>Zumal die verlinkten Daten aus Dänemark (u.a. für Omikron) gleich noch Zahlen liefern:
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>"Unvaccinated potential secondary cases experienced similar attack rates in households with the Omicron VOC and the Delta VOC (29% and 28%, respectively), while fully vaccinated individuals experienced secondary attack rates of 32% in household with the Omicron VOC and 19% in households with the Delta VOC. For booster-vaccinated individuals, Omicron was associated with a SAR of 25%, while the corresponding estimate for Delta was only 11%."


Hier ist der Artikel in der Tat relativ schwach, denn viel wichtiger für den Fremdschutz ist ja vor allem, das sich Geimpfte einfach deutlich weniger häufig anstecken. Zwar gibt es bei Geimpften auch asymptotische Infektionen, bei dennen es evt. zu Infektionen kommt, aber auch die werden durch die Impfung zu einem erheblichen Teil verhindert.
Hier gibt es bspw. eine Übersicht über die Wirksamkeit gegen asymptomatische Infektionen:
[https://www.cdc.gov/vaccines/acip/recs/grade/covid-19-pfizer-biontech-vaccine.html#table03d]
Leider noch keine Daten für Omikron, aber im Schnitt kann man sagen, das die Wirksamkeit gegen asymptomatische Infektionen zwar immer etwas schlechter war, als die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektion, aber auch nicht meilenweit davon entfernt. Wenn ein frischer Booster, 70% Wirksamkeit gegen symptomatische Infektion zeigt, wird die Wirksamkeit gegen asymptomatische Infektion vermutlich irgendwo im 40-50% Bereich liegen.

Bei Haushaltskontakten haben wir das Problem, das der Kontakt sehr lang und eng ist. Eine geringere Viruslast mag da weniger einen Unterschied machen. Aber das Virus muss auch erstmal in die Haushalte kommen und ob man sich bei einem deutlich kürzeren Kontakt ansteckt, dafür dürfte das eine deutlich größere Rolle spielen.

Zudem müssen wir damit rechnen, das Delta zurückkommt:
[https://www.zeit.de/gesundheit/2022-01/omikron-welle-endemischer-zustand-delta-variante]
Eine potentielle Impfpflicht ist ja auch gerade etwas, was eh erst im Herbst wirksam werden wird. Dann ist vielleicht Omikron durch, und es geht darum zu verhindern, das wir wieder Probleme mit Delta bekommen. Da können wir nicht erst dann mit einer Impfpflicht anfangen, wenn sich wieder die Intensivstationen füllen.

Hier gibt es auch noch eine gute Studie, wo man sich Kontaktpersonen von Infizierten angeschaut hat und dort haben die geimpften eben wesentlich weniger Menschen angesteckt:
[https://www.jwatch.org/na54386/2021/12/15/transmission-risk-sars-cov-2-infected-fully-vaccinated]



>Das hat sie im Video explizit erwähnt, dass es zwischen Genesen + Geimpft Überschneidungen gibt und man die Zahlen nicht einfach addieren kann.

Ja, nur geht sie davon aus, das trotzdem schon ausreichend Immunität vorhanden ist. Sie kritisiert die Datenlage, da gehe ich mit ihr mit, das ist in der Tat ziemlich peinlich was sich Deutschland da leistet, und kommt dann einfach mit ihrer Wunschvorstellung, das eigentlich schon alle Immunisiert sind. Die Dunkelziffer ist bei ihr mindestens 2-3mal höher, obwohl es durchaus ernstzunehmende Studien gibt, die von einer deutlich kleineren Dunkelziffer ausgehen, bspw.:
[https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/gutenberg-covid-19-studie-ergebnisse-100.html]
"42% wissen es nicht"=tatsächliche Infektionen 1,72fach über den bekannten Infektionen. Aber gut, sie drückt sich da nicht wirklich präzise aus, aber geht dann immerhin nur von 16 Millionen tatsächlich Infizierten aus. Aber gerade bei  alten ungeimpften Risikogruppen, sind eben Infektionen, die so mild verlaufen, das man sie leicht übersieht selten. Auch kann man an der wesentlich höheren Übersterblichkeit in anderen Ländern wie UK oder Spanien sehen, das es dort wohl wesentlich mehr Infektionen gegeben haben wird. Die Annahme, das Deutschland da auf einem ähnlichen Immunitäts-Niveau ist, da doch ziemlich naiv. Sowohl die offiziellen Impfquoten, als auch die Infektionszahlen und auch die Übersterblichkeit deutet darauf hin, dass das Immunitätsniveau eben nicht so hoch ist. Auch wenn man sich die Todesfälle und Inzidenzen im November/Dezember, also vor der Omikron-Welle, in UK und Deutschland anschaut, deutet doch einiges darauf hin, dass das Immunitätsniveau in Deutschland eben doch wesentlich schlechter ist.

Auch bei den nicht erfassten Geimpften, spricht einiges dafür, das diese Untererfassung eben nicht so häufig bei den Alten stattgefunden hat, weil diese sehr oft in Impfzentren geimpft wurden, wo es praktisch keine Erfassungslücken gibt. Impfungen durch Hausärzte und Betriebsärzte sind dort eben nicht so häufig, wie in jüngeren Altersgruppen.


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