Thema:
Re:es zeigt sich doch hier im thread, flat
Autor: Mampf
Datum:16.04.21 17:45
Antwort auf:Re:es zeigt sich doch hier im thread, von Atlan

>Das heutige Problem ist, vor allem in unpersönlichen Internetdiskussionen, dass Menschen nicht auf das antworten, was jemand geschrieben hat, sondern darauf, was sie ihm unterstellen, er wolle damit unterschwellig sagen. Und das ist meistens eine negativstmögliche Auslegung des Geschriebenen. So ist eine sachliche und freundliche Diskussion natürlich fast immer schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Ja , das meine ich auch mit Phantom Diskussion. Das macht für mich ja in irgendwelchen , absolut anonymen, Kommentarbereichen auch Sinn (daher sind dortige Diskussionen auch Sinnlos). Es ist schade, dass es auch in so relativ geschlossenen Gruppen wie hier, so ausgeprägt ist. Klar, zu bestimmtne Themen kennt man ja auch die User aus Jahrelangen Diskussionen und kann sie oft einem Spektrum zuordnen, nichtsdestotrotz zeigt sich mit der Verbreitung Sozialer Medien immer weiter eine Verhärtung solcher Unterstellungen. Und ja, ich gebe zu, ich war da manch Forumsuser gegenüber da sicher auch mal unfair.

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>Hier im Ast habe ich beispielsweise den Eindruck, einige sehen in den zahlreichen und differenzierten Aussagen von Epidemiologe Krause und der anschließenden Zusammenfassung durch Rocco den insgeheimen Versuch, das aktuelle Geschehen kleiner zu reden, als es tatsächlich vielleicht ist. Was dann Maßnahmenkritikern nur Futter geben, Leugner stärken könnte, zu weniger Einhaltung der Maßnahmen und dazu noch nochlängerer Epidemie... und mehr Toten. Menschenverachter, bäm! Und mit dieser schlagseitigen emotionalen Prägung klickt man dann unten rechts auf Anworten und fängt an zu tippen... Dabei geht es Krause (und wahrscheinlich auch Rocco <-- immer das Wohlwollenste unterstellen!) darum ja überhaupt nicht.
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This. Und danke, das ist genau, was ich sagen wollte. Mich beunruhigt, dass Angst und Panik als legitim angesehen werden, nach dem Moto, nur mit genug Angst lässt sich diese Kriese überwinden, dnen dann erst hätten die Menschen Respekt vor der Pandemie und würden dann endlich verstehen, sich richtig zu verhalten.
Es ist eigentlich ein Trauerzeugniss, dass damit Rationnalität und Vernunft der Mittelfinger ausgestreckt wird. Aber ich merke schon , wie ich jetzt selber Unterstellung betreibe...


>Aber wenn man der ganzen Corona-Situation schon im Großen total ausgeliefert ist, kann man wenigstens hier im Kleinen mal richtig was dagegen tun! Das Gegenüber in der Diskussion als Amalgam von allem, was des aktuellen Übels Wurzel ist. Man unterstellt also dem Gegenüber das Schlechteste und DARAUF anwortet man dann.
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Genau! Wobei, im gegensatz zu sonstigen poltischen Debatten würde ein Sinnvoller Austausch tatsächlich was Bewirken denn irgendein Maulheldentum, den das Forum sonst gewohnt ist. Wo moralische Überlegenheit vorallem durch Mundbekenntnisse demonstriert wird.
Ich weiss gerade Berichte vor Ort (Shodan)  und Einblicke bzw. Einschätzungen von den "Fachleuten" hier zu schätzen. Weniger, wenn auch dabei jegliche Rationalität abhanden kommt.

>Absolute Kriegsmentalität: Jede Kritik spielt entweder unabsichtlich dem Feind in die Hände oder ist sogar der direkte Versuch eines maskierten Feindes, uns zu untergraben. Kritik steht also grundsätzlich unter Generalverdacht und sollte während des Konfliktzeitraums strengstens unterlassen werden.
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Naja, kritisiert wird ja dennoch, wenn nach dem eigenen Gefühl nicht die Hardliner Linie nachgegangen wird. Ansonsten ist Kritik unzuölässig, ja.


>Jedoch ist eine der elementarsten Grundregeln des Diskutierens bekanntlich, immer nur auf die stärksten Argumente des Gegenübers sowie auf deren wohlwollendste Interpretation zu antworten, und all das immer unter der Prämisse, dass der Gegenüber Recht hat und man selbst etwas von ihm lernen kann.
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>Internetdiskussionen sind das exakte Gegenteil. Das schwächste Argument herauspicken, es negativstmöglich interpretieren, dem Gegenüber dabei auch noch unlautere Beweggründe unterstellen und schon im Voraus wissen, dass man selbst ja eh Recht und der andere Unrecht hat – und dann immer kräftig druff. Fühlt sich kurzzeitig gut an, brint am Ende aber niemandem was.
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Ja da sagst du was. Ich muss sagen, seitdem ich mich da imemr mehr raushalte und auch weniger lese, gehts mir emotional deutlcih besser. Schade, ich dachte ne Zeitlang, hier (im Internet , aber vorallem im M!) könnte ich den Mangel an politischne Unterhaltungen in RL gut kompensieren. Dabei hab ich in den Jahren viel Zeit verschwendet, meine Seele belastet und sicherlich auch vielen Kontrahenten Unrecht getan.

>Im echten Leben kenne ich solche Diskussionsverläufe übrigens nicht. Weil man dort seinen Gegenüber ja meist als komplexen Menschen kennt, weiß dass der Kumpel, der eben etwas mißverständliches rausgehauen hat, trotzdem ein guter Mensch ist, es wahrscheinlich gar nicht so gemeint hat, man redet kurz drüber und kommt zur Erkenntnis, dass man auch beim jeweiligen Thema am Ende mehr Überschneidungen hat als Gegensätze.
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Was mich beunruhigt ist, dass ich leider in Reallife im Bezug zu Corona oder aber auch anderen Social Media Themen immer mehr das mitbekomme, wie Diskussions(un)strukturen aus dem internet übernommen werden.

>Im Internet kann man hingegen auf jeden einzelnen anonymen "Gegner" alles Negative projizieren, was man täglich überall so mitbekommt, da reicht eine in eine bestimmte Richtung interpretierbare Aussage, damit man entsprechend negativ im gegenüber "geprimed" ist und alles weitere von ihm dann auch nur noch unter dieser negativen Anfangsinterpretation weiterinterpretiert. Die Schubladen sind super schnell auf und zu.
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>Ad hominem, guilt by association, poison the well... sowas kannte man früher nur von den Rechten, Klimawandelgegnern und ähnlichen, wenn es ihnen darum ging, Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern die Integrität und Glaubhaftigkeit abzusprechen, um inhaltliche Diskussionen und eine Auseinandersetzung mit den Ansichten des Gegenüber von vorneherein zu vermeiden. Heute verwenden alle Seiten diese schmutzigen Tricks und fühlen sich dabei auch noch gut.
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Hmm ja, leider.


>Und so sind es interessanterweise auch nicht die Leute, deren Meinung ich überhaupt nicht teile (ja sogar manchmal sogar verachte), die mich in den letzten Jahren aus Internetdiskussionen weitestgehend haben zurückziehen lassen. Sondern das Diskussionsverhalten derer, mit denen ich inhaltlich eigentlich größtenteils auf derselben Seite stehe.
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Das hat bei mir im letzten Jahr stattgefunden. Und wie gesagt, es tut mir gut. Es ist aber schade, dass das postitive Potential, was offene Diskussionen angeht, nur selten genutzt wird. Denn seien wir mal ehrlcih, zu bestimmten Themen kann so ein Austausch, gerade Online, ja nur Sinnvoll sein.

>Vielleicht ist es mir damals bei diesen Leuten aber auch nur noch nicht aufgefallen, weil man ja auf derselben Seite stand und ich selbst eifrig mit diesen Mitteln diskutiert habe.

Ich glaube, ich weiss was du meinst. Abe rich glaube auch, dass sich das mit der Zeit einfach immer weiter verhärtet hat.


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