Thema:
太陽を盗んだ男 The Man Who Stole the Sun (Japan 1979) flat
Autor: KikjaR
Datum:31.08.22 11:49
Antwort auf:Filme / Serien aus Ostasien - China, HK, Japan, Korea von chifan

Der junge Wissenschaftslehrer Kido Makato ist ein merkwürdiger Typ.
Lässig Kaugummi kauend versucht er seinen Schülern die Vorzüge der Atomkraft näher zu bringen und vermittelt ihnen auch schonmal praktische Tipps zur Anreicherung von Plutonium.
Die Unterrichtspausen auf dem Schulhof nutzt er dann gerne dafür sich körperlich fit zu halten.
Schnell wird offensichtlich, dass er ein Doppelleben führt. In seiner Freizeit kundschaftet er ein Kernkraftwerk aus und stiehlt später verkleidet einem Bezirkspolizeibeamten die Pistole.
Denn Makoto braucht spaltbares Plutonium um sich seinen Traum vom Bau der eigenen Atombombe erfüllen zu können.
Als bei einem Schulausflug mit dem Bus seine Klasse und er von einem verwirrten Täter mit Maschinenpistole und selbstgebastelten Granaten als Geiseln genommen werden, ist das anschließend der Auslöser für die Umsetzung seines irrwitzigen Vorhabens.

Was zuerst als „Slice of Life“ Geschichte eines alleinstehenden und überarbeiteten Highschool-Lehrers beginnt, nimmt schnell Fahrt auf und wird mit nicht so recht einzuordnenden Szenen von Makato zu einem sonderbar grotesken Film, wo an Katzen das Betäuben mit Narkosegas ausprobiert wird und die Beschaffung von Atommaterial so einfach wie ein Konbini-Einkauf aussieht.
Wenn dann in der heimischen Bude von Makato später die eigentliche Atombombe zusammengebaut wird, wähnt man sich völlig im falschen Film.
Aber der Film will ernstgenommen werden und schaffte es zumindest, dass ich trotz einiger Längen und konventioneller Genregegebenheiten interessiert dranblieb.
Denn inhaltlich ist die Fragestellung, was ein einzelner Mensch mit der Macht der Atombombe in der Hand so grundsätzlich unterscheidet als jene Staaten, die diese ebenfalls besitzen, schon ziemlich reizvoll. Der Film thematisiert und illustriert das in Szenen teilweise, ohne aber zu tiefgründig darauf einzugehen. Aber es ist launig zu sehen, wie Makato angesichts der schieren Zerstörungskraft und der damit einhergehenden Stärke selbst ratlos ist, was er damit anfangen will. Da werden dann eben die Radiozuhörer von einer schönen und ziemlich gewissenlosen Moderatorin gebeten, ihre Ideen kundzutun.
Das hat dramaturgisch ab und an seine Schwächen und gerade so die Szenen mit der im Hintergrund ahnungslos ermittelnden Staatsmacht wirken da zäh. Aber so im letzten Drittel zieht es wieder an und die Situation wird sowohl für Makato als auch Tokyo brenzliger; wenn auch die Sorgfalt zur Glaubwürdigkeit einiger Szenen manchmal leidet. Da hatte mir Makato einfach zuviel Glück beim Entkommen vor der Polizei.
Was aber dennoch oder zusätzlich seinen Reiz beim Schauen dieses Films bietet, sind die etlichen in der Öffentlichkeit gedrehten Szenen der damaligen Zeit.
Der Film atmet viel unverfälschte japanische 70er Jahre Authentizität aus.
Und der gute Soundtrack unterstützt diese eigenwillige Atmosphäre, die der Film auch heute beim Schauen noch inne hat, recht perfekt.
Sehenswert.
3,5/5

[https://youtu.be/5j_XDeTO2Yg]
[https://asianwiki.com/images/3/3d/The_Man_Who_Stole_the_Sun.jpg]

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