Thema:
#60 The Last Emperor (1988) flat
Autor: DJS
Datum:15.04.21 23:25
Antwort auf:Projekt "Oscar" von DJS

Der letzte Kaiser

[https://www.imdb.com/title/tt0093389/?ref_=nv_sr_srsg_6]

Stream:

[https://www.werstreamt.es/film/details/37735/der-letzte-kaiser/]
Ist in der Prime Flatrate!


Im Jahre 1908 wird der gerade einmal zwei Jahre alte Puyi zum Kaiser von China gekrönt. Nur drei Jahre später ist er zum Abdanken gezwungen, da die Revolution in China ausgebrochen ist. Da er jedoch die Palastmauern der Verbotenen Stadt nie verlässt, bleibt Puyis Einfluss groß. Später wird er... Das reicht zum Einstieg. :)

Der Film beginnt eigentlich im Jahr 1950, die Geschichte des letzten Kaisers von China wird dann in Rückblenden erzählt. Es ist sicherlich ein großer Vorteil, wenn man seine Geschichte nicht genau kennt, sonst ist man direkt am Anfang schon gespoilert. ;) Er hatte auf jeden Fall ein sehr ungewöhnliches Leben, selbst (oder gerade) für einen Kaiser.
Die Rückblenden sind übrigens sehr bunt und in kräftigen Farben gedreht, während alles was nach 1950 passiert kühl wirkt, so ein wenig wie die Filme von David Fincher (z.B. Panic Room). Dadurch wird die jeweilige Stimmung der Szenen verdeutlicht. Die Dreharbeiten fanden sensationellerweise zum Teil an Originalschauplätzen statt. Es gab drei Drehtage in der Verbotenen Stadt, die für 40000$ Miete am Tag für die Touristen gesperrt wurde. Die Dreharbeiten waren, wie für einen Monumentalfilm üblich, sehr aufwändig. Es gab fast 20000 Statisten, 9000 Kostüme, viele Fahrzeuge, die man nach China transportieren musste. Ich denke, dass es sich gelohnt hat. Neun Oscar-Nominierungen und Siege in ALLEN neun Kategorien sprechen für sich.

Mir hat der Film auch gut gefallen. Es ist sehr interessant einen Einblick in die (mir) fremde Kultur zu bekommen, gerade die ersten Jahre Puyis als Kaiser sind aus heutiger Sicht "leicht" ungewöhnlich. Es ist auch spannend zu sehen, welche Wendungen sein Leben genommen hat. Ich hab den Film übrigens schon mal zum Teil gesehen (beim Zappen drangeblieben), komplett aber jetzt erst.

Negativ ist mir aufgefallen, dass manche Szenen Fiktion sind und das ist imo ein No-Go in historischen Filmen. Das habe ich schon bei anderen Oscar-Gewinnern kritisiert. Ich frag mich, warum das unbedingt sein muss, vor allem wenn die Wahrheit auch schon sehenswert und spannend genug ist.
Trotzdem: ein absolut sehenswerter Film, 8 von 10, wobei es so eher 8,24 sind. ;)

Sonstiges:

- Der Film war bei den Kinobesuchern zuerst nicht sonderlich beliebt, nach den Nominierungen und den Oscars lief es dann besser (am Ende 44M$ bei Produktionskosten von 24M$)

- 2013 in Cannes wurde eine 3D-Version des Films gezeigt. Warum auch immer. :)

- Fürs Fernsehen wurde der Film zu einer Miniserie verlängert (218min anstatt 160min), wobei der Regisseur darauf hingewiesen hat, dass es sich nicht um einen Director's Cut handelt.

- Peter O'Toole spielt eine größere Rolle (Tutor des jungen Kaisers) für die auch Marlon Brando, Sean Connery und John Hurt angefragt wurden.

- Der Kaiser nannte sich auch "Henry", weil er einen englischen Namen haben wollte.

- Der Film basiert auf der Autobiographie des Kaisers: [https://www.amazon.de/Last-Manchu-Autobiography-Henry-Emperor/dp/1602397325]

- Nach "Gandhi" und "Amadeus" schon die dritte Filmbiographie, die in den 80ern einen Oscar gewann. "Amadeus" ist imo der Schwächste, die anderen beiden gleichwertig.

- In Japan lief der Film nur gekürzt, weil Kriegsverbrechen japanischer Soldaten gezeigt wurden und die Japaner diese Verbrechen zum Teil in Frage stellten.

- Kleiner Spoiler: direkt am Anfang des Films wird ein Selbstmordversuch des Kaisers gezeigt. Es gibt keine Belege dafür, dass er wirklich stattgefunden hat.

- Als die Szenen in der Verbotenen Stadt gedreht wurden, war gerade die Queen in China zu Besuch. Sie wollte sich die Stadt auch anschauen, durfte aber nicht, weil sie eben für den Filmdreh gesperrt wurde. Schlechtes Timing würde ich sagen. :)

- Die Sicherheitsvorkehrungen waren übrigens so streng, dass Peter O'Toole eines Tages nicht zum Dreh gelassen wurde, weil er seinen Pass nicht dabei hatte.


< antworten >